Warum ich tue, was ich tue

Wie ergibt sich der Sinn in meinem Leben

Warum  –  ich bin was ich bin und  tue was ich tue!

Der Artikel entstand im Rahmen eines Blog-Bangs und ist verlinkt mit  www.markuscerenak.com

„Wenn du gehst schiebt sich der Weg unter deine Füße.“

(nach Martin Walser, Mut, Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße, Lektüre zwischen den Jahren)

Das ist eines meiner Lebensmottos das mich durch viele  Stationen, Höhen und Tiefen, Umbrüche und Neuanfänge, sei es im privaten oder beruflichen Bereich meines Lebens begleitet hat. Es hat mir immer geholfen, den Blick nach Vorne zu richten, denn nur so kann ich den Weg auch sehen. Die Frage warum, habe ich dabei ganz selten gestellt, heute weiß ich, dass es immer Stationen waren, die mein Warum weiter gefüllt und ausgeprägt haben.

Auszeit – Zeit für mich und neue Erfahrungen

Seit acht Monaten lebe ich als Aupair50plus in Luang Prabang in Laos.

Warum? Weil es schon immer mein Traum war, einmal eine längere Zeit im Ausland zu leben und den Alltag der Menschen im fremden Land, ihren Jahresablauf, ihre Arbeit, ihre Lebensumstände, Religionen und Traditionen zu erleben.

Ein Umbruch in meinem Leben kennzeichnet den Weg hierher. Die Trennung meines Mannes aus unserer langjährigen Ehe, was dann meinerseits die Trennung aus dem gemeinsamen Geschäft zur Folge hatte und fast parallel dazu der Tod meines Vaters haben mich in eine tiefe Krise gestürzt. Da stand ich nun mit all meinem Wissen und Erfahrungen. Ich war 60 Jahre alt, da gehen viele Frauen in Rente oder Pension. Ich fühlte mich top fit, etwas aus der Bahn geworfen, aber bereit für neue Experimente in meinem Leben. Die ersten Schritte zu neuen Ufern verhalf mir eine Therapie, also professionelle Hilfe. Das hatte ich in meinem Leben schon früh gelernt, dass professionelle Hilfe in Krisenzeiten der beste Weg ist, wieder auf die Beine zu kommen und sich selbst ein Stück weiter kennen zu lernen. Auf diesem Weg hat mich das Buch von Eckhart Tolle „Jetzt die Kraft der Gegenwart“, dazu gebracht, anzunehmen was ist und mein Leben im Hier und Jetzt aktiv zu gestalten. „Heute ist mein Tag und ich gebe das Beste was ich heute kann“, hat viel neuen Mut und Gelassenheit und auch Erfolg in mein Leben gebracht.

Jetzt wo ich frei und unabhängig war, was ich erst mal begreifen musste,  war auch wieder Zeit und Raum für alte und neue Träume. Was will ich von mir und dem Leben. Wofür und mit wem will ich arbeiten, will ich überhaupt arbeiten. Welche Aufgabe stellt sich mir in den Weg und berührt meine Seele. Ich war auf der Suche nach etwas was mich herausfordern,  zu dem auch mein Herz ein deutliches Ja sagen würde. Es begegneten mir interessante Angebote, die aber entweder mein Herz nicht berührten oder sich als nicht für mich geeignet erwiesen. Bei alldem kam mir immer wieder der Traum vom Leben in fremden Ländern in den Sinn. Ich las viele Bücher und Reiseberichte und war fasziniert, was andere Menschen, insbesondere  Frauen, alles erreicht und erlebt hatten.

2012 unternahm ich dann drei, mich tief berührende, Reisen. Mit einer Freundin, die Wüstenauszeiten (Sonja Blank-Weissinger, www.imwandel.com ) organisiert  und zwei weiteren Frauen wanderte ich eine Woche durch die Wüste Marokkos in Begleitung von Tuaregs. Wir schliefen auf den Dünen unter freiem Himmel und erlebten die Stille der Wüstennacht.

Im Sommer des gleichen Jahres wanderte ich meiner Lauf-Freundin für eine Woche im Piemont auf dem herrlichen Valla Mara. Einsame Bergpfade und faszinierende Landschaft klärten den Geist und italienische Gasthäuser mit hervorragendem Essen und gutem Wein brachten Genuss und Wohlbefinden.

Die dritte Reise führte mich mit Freunden nach Bhutan, wo wir zum einen acht Tage in den Bergen des Himalayas über zwei 5000er Pässe wanderten und dann bei einer Rundreise Land und Leute in Bhutan kenne lernten.

Von da an wusste ich, es zieht mich hinaus, noch einmal andere Erfahrungen zu machen. Schon 1994 war ich, damals mit Familie, Mann und zwei kleinen Kindern eine Jahr lang in Nord- und Südamerika unterwegs gewesen. Der Highway Nr. 1, von Alaska bis nach Feuerland war unser Traum und unser Ziel. Gestartet 1994 in New York, erreichten wir auch nach fast genau einem Jahr Feuerland. Reisen, viele Länder sehen,  war unser Interesse. Aber auch schon damals hatte ich in vielen Ländern gedacht, hier würde ich gerne einmal länger verweilen, um den Jahresrhythmus und die Menschen dabei zu erleben. Nach dieser damaligen wunderbaren Auszeit hatte das Leben in Deutschland andere Aufgaben für mich vorgesehen und es sollte noch etliche Jahre dauern, bis mein Traum wieder erwachte und jetzt Wirklichkeit wurde.

Die Frage warum, stand erst mal nicht im Vordergrund, sonder der Weg war aufgetan und „schob sich mir unter die Füße“. Die Frage warum, was will ich hier erfahren, lernen, für mich ergründen, kam mir erst wieder hier, nachdem ich, neben meinem neu gewonnen Mut und Lebenslust, merkte, dass mich natürlich auch meine noch immer wirksamen Glaubensätze, Ängste, Zweifel, Grenzen und Unsicherheiten begleitet hatten. Ich spürte sie, lies sie auf mich wirken, gab ihnen Raum, ohne mich davon beherrschen zu lassen und begann mich mit der Frage was kann/soll/will ich hier lernen zu beschäftigen. Mir begegneten Herausforderungen, die zu bewältigen waren, oder die mir deutlich zeigten, wo die Lernfelder sind.

Bei dem Besuch einer lieben Freundin aus Deutschland wurde die Frage, was bewegt und wie finden wir das, was uns erfüllt und wofür wir brennen, ganz klar in unserer beiden Focus. Sie wie ich fühlten uns mit dem was wir tun oder vorhaben, nah daran, aber noch nicht wirklich angekommen. Ich für meinen Teil bin zuversichtlich, aus der Erfahrung meines Lebens, dass ich es finden werde und auf dem Weg dahin aktiv das mache betreibe, was sich am oder auf dem Weg anbietet. Ich schreibe einen Blog, erst mal nur für meine Freunde und an einem Ebook und mache damit meine ersten Erfahrungen.

Warum, weil ich meine Erfahrungen mit anderen teilen möchte, bzw. andere daran teilhaben lassen möchte, um Mut zu Veränderung, Wertschätzung für Mensch und Natur weiter in die Welt zu bringen.

Warum, weil professionelle Hilfe im Leben bereichert, Einsichten und Aussichten bewirken kann.

Warum – Stationen in meinem Leben

Sinngebend und richtungsweisend in meinem Leben war, natürlich neben meinen Eltern, die eher die Herausforderung waren, mein Großvater. Ich denke  es gibt immer Menschen in unserem Leben, die uns die Richtung weisen, wo es hingehen wird. Die uns prägen und Rüstzeug mit auf den Weg geben.

Warum, weil ich durch ihn den Mut  Veränderung in die Welt zu bringen, gepaart mit Wertschätzung für Natur und Menschen erfahren habe.

Erste Station im Berufsleben – Lehrerin

Nachdem mein Wunsch Jura zu studieren an der Vorstellung meines Vaters, was Mädchen am besten werden sollten, gescheitert war und mein Großvater ein allseits beliebter Lehrer war, studierte ich Biologie und Mathematik für das Lehrfach. Ich wurde Lehrerin mit aller Inbrunst, Freude und dem Wunsch in der Schule für die Kinder möglichst viel zu bewirken. Dass das im bestehenden System schwierig sein würde merkte ich erst im Laufe meiner Lehrtätigkeit. Ich traf auf Kolleg/innen, die gleich mit mir dachten und dennoch waren unsere Versuche Veränderung in größerem Stil zu bewirken, zum Scheitern verurteilt, zum Scheitern an denen, die weniger Veränderung und lieber an Althergebrachtem festhalten wollten. Und genau zu diesem Zeitpunkt schob sich ein neuer Weg unter meine Füße. Die Beziehungen und positiven Rückmeldungen meiner damaligen Schüler begleiten mich bis heute und machen mich glücklich.

Warum, weil ich erleben wollte, was Wertschätzung in Schule und für Kinder bewirken kann. Weil ich erfahren wollte, was Menschen,  Kinder lernen und leisten können, wenn man ihnen die Verantwortung dafür gibt.

 

Politik  – Verantwortung

Der neue Weg brachte mich direkt in die politische Verantwortung und zu meiner ersten Leadershiperfahrung. Ich wurde Erste Beigeordnete, Stellvertreterin des Landrates in einem Landkreis. Ich hatte Ehrgeiz, Durchhaltevermögen, Visionen und weibliche Intuition. Letztere lernte ich dabei für mich neu kennen und war erstaunt und glücklich, dass sie mir so gegeben war und ist. Zugegebenermaßen hatte ich wenig Erfahrung in Führung, insbesondere einer Behörde und dem politischen Umfeld. Es war ein knochenharter Job, würde ich heute sagen und das Wort Work-Life-Balance gab es noch nicht. Meine Intuition und mein innerer Glaube an meine Fähigkeiten gaben mir Kraft, Mut und Selbstvertrauen. Gescheitert bin ich nicht, aber die nächste Wahl  nach vier Jahren ergab andere Mehrheiten und ich wurde abgewählt. Weg frei für neue Erfahrungen.

Warum, weil ich meine Führungsqualitäten kennen lernen und erproben sollte und mir klar wurde, dass Wertschätzung in der Führung einer Behörde und eines Unternehmens die wichtigsten Bausteine sind. Veränderung zu anderem Denken und Handeln in vielen Bereichen unserer Welt braucht Verbündete und Mitstreiter und die gilt es zu finden und zu fördern.

Weg über das angestellte Unternehmertum zur Selbstständigkeit

Mein nächster Weg führte mich über eine Auszeit, ein Jahr reisen, „von Alaska bis nach Feuerland“ mit meinem Mann und unseren zwei Kindern Pepe (7 Jahre) und Janick (5 Jahre). Ich musste aus meinem Hamsterrad arbeiten, Termine, arbeiten raus und  andere Welten sehen.

Nach diesem Jahr war die Frage, weiter in der Politik oder eine andere Richtung. Unter meine Füße schob sich freiberufliche Tätigkeit in einem ökologisch orientierten Unternehmen.  Daran anschließend die Übernehme der Geschäftsführung in einem Dienstleistungsunternehmen, das arbeitslosen Menschen wieder neue Perspektiven eröffnete und zu Arbeit verhalf. Wir starteten in einem Frauenbetrieb mit 31 Mitarbeiterinnen und entwickelten im Laufe der Jahre das Unternehmen zu einer Größe mit 250 Mitarbeiter/innen. Ich hatte mir als eigene Deadline zehn Jahre gesetzt und dann wollte ich noch einmal ein eigenes Unternehmen entwickeln. Die Arbeit forderte mich und ich investierte viel meiner Zeit. Sie erfüllte mich auch, weil zum einen viele Hürden und Herausforderungen zu meistern waren und zum anderen das gesamte Team  wirklich große Leistung möglich machte. Meinem Mann verdanke ich, dass auch die Balance zumindest in Form von schönen Urlauben im Ausland immer wieder Platz bekam

Warum, weil  ich meine Führungsqualitäten direkt umsetzen und weiter entwickeln konnte. Weil ich meinen Mitarbeiter/innen den Wert von Wertschätzung und Verantwortungsgabe weitergeben konnte und wir diese Werte gelebt haben. Weil ich selten die Probleme und meistens die Lösungen gesehen habe.

Selbstständigkeit mit dem eigenen Unternehmen

Danach kam der Schritt ins eigene Unternehmen mit meinem Mann, Gertz & Team Büro für Team-  und Konfliktmanagement. Meine Vision war, dass was ich in der Praxis bisher erfahren hatte, nun an andere Unternehmen, Mitarbeiter/innen weiter zu geben, Wertschätzende Führung und Entwicklung von Unternehmenskultur und –werten, Teams bei der Entwicklung ihrer Potentialen zu unterstützen, die Chancen in Konflikten zu sehen und zu nutzen. Dass die Zusammenarbeit mit meinem Mann sich zum einen als fruchtbar, in Seminaren und Training ergänzten wir uns gut, zum anderen als schwierig für den Gesamtgeschäftserfolg herausstellte, hatte ich so nicht erwartet. Heute kann ich sehen und verstehen, was auch meine Anteile an den Schwierigkeiten waren. Ich war oft verzweifelt und ungeduldig und fand einfach nicht meinen Platz und meine Rolle. Ich war nicht bereit in neues Denken zu starten und der Erfolg, wie ich ihn mir vorgestellt hatte, blieb trotz oder gerade wegen harter Arbeit aus. Dann kam hinzu, vielleicht war es auch das Ergebnis der Entwicklung, dass mein Mann sich privat anders orientierte, ein Doppelleben führte, das dann letztendlich zur Trennung von „Bett und Geschäft“ führte. Für mich war es der Schritt, mich wieder einmal ganz intensiv, um mich und meine Entwicklung zu kümmern und darauf zu vertrauen, dass der Weg, der nun erst mal steinig und in dicken Nebel gehüllt war, sich wieder auftun und  mir unter die Füße schieben würde.

Dass ich dann hierher nach Laos ging wo alles anders ist, gelassener und ruhiger zugeht, ist ein Punkt der weiteren Fügung. Ich habe zwar eine Aufgabe, die Kinderbetreuung in einer Familie, aber das stellt sich eher als laotisch chaotisch, wenig planbar und damit auch oft als Herausforderung dar. Ich habe viel Zeit. Verbringe viel Zeit mit mir alleine und genau das war vorher bei all meinen Tätigkeiten so gar nicht auf meinem Plan. Jetzt ist Zeit darüber nachzudenken, was ich weiter will und wo es hingehen soll, wenn ich zurück in Deutschland bin. Ich habe ein Buchprojekt über meine Erfahrungen in Laos begonnen und mein innerer Wunsch ist, jetzt noch mal das zu finden, wie die vielen Male vorher auch, wofür mein Herz brennt und was mich erfüllt. Vielleicht wird daraus auch ein Blog für  Menschen, vielleicht ältere Menschen, die aufbrechen auch im Alter aktiv zu bleiben und ihre Erfüllung zu finden.

Bei meinem Auslandsaufenthalt hier in Laos habe ich große Geschenke empfangen. Ich habe viele neue Menschen kennen gelernt und wurde offen und warmherzig, gerade von den Laoten, aufgenommen. Die beiden Kinder Luca und Delilah habe ich und sie auch mich ins Herz geschlossen. Im Kindergarten, in den ich dreimal die Woche gehe, haben mich die Kinder herzlich angenommen, ohne  dass ich ihre Sprache sprechen und verstehen kann. Im Laufe meines Auszeitjahres haben mich viele wertvolle Freunde hier besucht. Mit ihnen habe ich das Land und die Nachbarländer entdeckt und viele Gespräche geführt, die mich stets bereichert haben. Mit vielen guten Freunden, meinen Schwestern und Schwägern, meiner Schwiegermutter Zuhause entwickelte sich ein intensiver Kontakt per Mail und Skyp, ganz neue Erfahrungen. Mit meinen beiden Söhnen blieb ich in engem Austausch und Verbindung, manchmal täglich dank threema oder Whatsapp und auch sie besuchen mich hier.

Eine Reise ist immer eine Art Wiedergeburt.(Paulo Coelho)

Begegnest du deiner Einsamkeit, hab keine Angst. Sie ist eine kostbare Hilfe, mit sich selbst Freundschaft zu schließen. (Weisheit aus Tibet)

Warum, weil ich weiter geben möchte was ich erfahren und gelernt habe. Weil ich anderen Menschen Mut machen möchte ihren Weg zu gehen und Wünsche und Ziele ins Leben zu bringen. Weil Wertschätzung und Achtsamkeit in mein Leben Glück und Zufriedenheit bringt. Weil Veränderungen in unserer derzeitigen Welt angesagt sind, es dazu vieler gleichgesinnter und aktiver Menschen braucht und ich dazu beitragen möchte. Weil ich auch für meine Kinder und Enkel eine lebenswerte Erde mitgestalten möchte.

32 Gedanken zu „Warum ich tue, was ich tue

  1. Dedicated server

    Hui, das ist ein wirklich langer Artikel geworden und jetzt habe ich wirklich genug uber mich geredet. Hallo Sandra, Dein Warum-Artikel hat mir wirklich gut gefallen und den Nagel auf dem Kopf getroffen.

    Antworten

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