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Juni 2018 – Neun Tage auf dem GTA bis zum Mittelmeer – Tag 2

Am Morgen hatte sich bewahrheitet, was die Wetterapp angezeigt hatte, es regnete und gleich so heftig, dass wir den Abmarsch erst mal um mindestens eine Stunde auf 9 Uhr verschoben. Um 9 Uhr, es regnete immer noch,  entschieden wir,  uns auf den Weg zum Refugio Mondovi zu machen. Dort wollten wir zur Mittagsrast einkehren, die Klamotten trocknen und dann sehen, welchen Weg wir weiter gehen werden. Der Weg zum Refugio Mondovi waren wir im letzten Jahr schon einmal umgekehrt gewandert. Jetzt im Regen und mit tiefhängenden Wolken war da wenig wieder zu erkennen. Der Aufstieg bis zur Porta Sestrera (2225 m) war in den Wolken, der Lago Blevol, den wir passierten lud nicht zum Baden ein, Der Weg war matschig und überall stand das Wasser. aber zum Glück ließ er Regen nach. Gegen 11:30 Uhr trafen wir im Refugio Mondovi ein. Es gab eine warme Suppe, eine Vesperplatte und danach guten Kaffee. In der Zwischenzeit hatte es aufgehört zu regnen, die Berge waren wieder zu sehen und wir entschieden uns weiter auf dem GTA bis zum Refugio Mongiole (1520 m) zu gehen.

Belohnt wurden wir wieder mit herrlichen Hängen voller Alpenrosen.

Der Aufstieg zum Passo della Saline (2174 m) war noch in den Wolken, oben klarte es auf und die Südseite  des Berges verhieß wieder Sonne.

Also Regenkleidung aus und auf zum Abstieg. Der erste Teil ging wie auf dem Bild zu sehen ist auf schmalem Pfad durch weite Wiesen abwärts. Später wurde es steinig und die Berge verdichteten sich wieder zu einer langen steilen Schlucht. Nach 2 Stunden abstieg, die Kniee waren mir schon butterweich, ging der Pfad in einen breiteren Weg über, der durch einen Fichtenwald weiter bergab führte. Die Hinweistafeln zum Refugio Mongiole stellten uns vor eine große Probe was die Zeitangaben anbelangte. Nach gefühlten 3-4 km waren erst 5 Minuten laut Entfernungstafel vergangen. Der Weg führte fast parallel zum Hang durch einen lichten Wald und an bizarren Felsen vorbei. Als Highlight entpuppte sich der Übergang über einen aus den Felsen herabstürzenden Bach – einen Hängebrücke.

       

Weiter ging es auf schmalem Pfad bis wir zu einer Hochebene kamen und schon von Ferne das Refugio sahen.

Hier sieht man deutlich die Terrassen, die die Menschen vor langen Zeiten angelegt hatten, um das Land für ihre Landwirtschaft zu nutzen.

Angekommen im Refugio belohnten wir uns, wie immer,  mit einem kalten Bier mit Lemon Soda für den langen Wandertag. Wir waren froh, dass das Wetter uns am Nachmittag wieder hold war und wir noch in einem  Liegestuhl in der Sonne ausruhen konnten. Am Abend durften wir in der Küche mit den Italienern das Spiel der FußballWM Deutschland gegen Schweden  schauen, dass Deutschland spannend 2:1 gewann. Da der Wetterbericht für den nächsten Tag in der zweiten Hälfte wieder Regen und Gewitter verhieß, beschlossen wir am nächsten Morgen früh, um 7 Uhr, aufzubrechen.

 

 

 

 

 

 

 

Juni 2018 – Neun Tage auf dem GTA bis zum Mittelmeer – Tag 1

Der Start der diesjährigen Tour auf dem GTA war für uns, ich wandere mit zwei Freundinnen, Limone Piemonte.  Ein kleiner Skiort in den italienischen Seealpen in der Provinz Cuneo. Im schönen Hotel L’Artisin waren wir in einem Dreibettzimmer eingemietet und dort konnten wir in der Tiefgarage auch mein Auto während unserer Wanderung sicher stehen lassen. Limone hat einen kleinen verträumten alten Dorfkern, der sicher im Winter, wenn man die vielen jetzt verschlossenen Hotels und Appartementhäuser sieh, zum Après-Ski gut bevölkert ist. Wir haben einen Aperol-Spritz in der Sonne genossen und am Abend uns beim „Bärenwirt“ einige netten italienischen Köstlichkeiten gegönnt.

Blick vom Balkon

Der erste Tag, Freitag 22-06-18, begann nach einem frühen Frühstück (Start 8 Uhr) direkt vom Hotel aus in ein langes Tal und einen langen Aufstieg, bis wir am Pass Col della Boaria (2102 m) auf den GTA trafen.

Die erste Hürde war ein Bachlauf ohne Brücke und mit Steinen, die weit auseinander lagen. Martina überquerte den Bach mit einem beherzten Sprung. Silke und ich bekamen „nasse Füße“.

Auf dem Weg waren auch schon die ersten Hänge mit den roten Alpenrosen zu sehen. Martina hatte die Tour extra Ende Juni geplant, damit wir die volle Pracht der Alpenrosen zu sehen bekommen. Es war genau richtig und wir sollten an vielen Hängen noch unsere Freude haben.

     

Vom Col della Boaria ging es dann ein Stück Weg, oberhalb der Militärstraße immer mit schmalem Pfad am Hang entlang. Dieses Stück waren wir im Jahr zuvor schon einmal bis zum Colla Pian (2219m) gewandert. Beeindruckt hat aber auch dieses Jahr wieder die Karstlandschaft mit Blick in das Argentera-Massiv.

 

Dieses Jahr, weil ja um einiges früher, zeigten sich im Nordhang noch einige Schneefelder. Das erste Schneefeld war gleich auch das schwierigste, weil wir über das Schneefeld und dann ein wenig die Felsen hochklettern mussten. Der Schnee war zum Glück weich und damit auch trittfest und nicht so rutschig. Ein zweites und drittes Schneefeld überquerten wir dann schon wesentlich sicherer,  nur wo der Weg danach weiter ging, stellten wir erst fest nachdem wir einen Hügel nochmals umrundet hatten und von oben schauen konnten wo der Pfad ein Stück weiter unten dann doch weiter ging.

Durch eine Senke, also ein ganzes Stück bergab, gelangten wir zum Passo del Duca (1989 m). Der Passo des Duca war für mich wieder ein spektakulärer Pass. Durch eine Felsenpforte war der Blick weit ins Land, bis in die Poebene, möglich.

       

Von da an ging es erst fast parallel zum Hang und dann aber über geröllige Felsen bis auf 1681 m hinab. Im Tal zeigte sich der Pfad, den wir auch schon im letzten Jahr beim Abstieg von der Garellihütte genommen hatten, der uns jetzt bergauf

  

bis zum Laghetto del Marguareis (1928 m) und dann weiter zum Refugio Garelli, unserem heutigen Etappenziel führt.

Das letzte Stück bis zum Laghetto war für mich an diesem Tag harte Arbeit. Ich war müde und erschöpft und dachte zum ersten Mal, ob ich dieses Mal meine Grenze erreicht habe. Drei Monate Seidenstraßenreise mit wenig sportlicher Betätigung hinterließen ihre Spuren. Nun muss ich dazu sagen, dass der erste Wandertag mit neun Stunden und viel Steigung und viel bergab auch ein harter Einstieg war. Das gewohnte Bier und Lemon Soda ließen mich zwar wieder lächeln aber die Erschöpfung war mit deutlich anzumerken.

Nach 15 000 km von Laos auf dem Landweg nach Wetzlar

Der letzte Teil meiner Reise startete in St. Petersburg am 30.5. um 11:15 Uhr vom Busbahnhof über Estland, Lettland, Litauen, Polen nach Deutschland.

Wie kam es zu der Busreise. Ich wollte ursprünglich von Moskau mit dem Moskau-Paris-Zug nach Frankfurt fahren. Leider hatte ich bei meiner Planung übersehen, dass dieser Zug, wie alle Züge von Moskau nach Westeuropa, über Weißrussland gehen und für Weißrussland braucht man ein Transitvisum, was vorher in Deutschland zu beantragen ist. Dieses Visum hatte ich nicht und damit war der Zugweg für mich nicht möglich. Da kam mir Agnes Wunsch, St Petersburg zu besuchen gerade recht, denn von St Petersburg aus kann man mit Bussen fahren und die Länder Estland, Lettland, Litauen und Polen gehören ja bekanntlich zu EU.

Mit der Linie LuxExpress ging es über Tallinn erst nach Riga (Ankunft 22:50 Uhr und Abfahrt 2:55 Uhr). Von Riga aus fuhr der Bus bis Vilnius (Ankunft 6:35 Uhr, Abfahrt 6:50 Uhr) und von da nach Warschau (Ankunft 14:10 Uhr).

In Warschau hatte ich zum letzten Mal das Sprachthema, wie komme ich vom Zentralbahnhof zum 30 Minuten entfernten Busbahnhof (Mlocinzy). Es hat mehrere Anläufe gebraucht, weil manchmal hilfsbereite Menschen, die aber doch nicht genau wissen wie und wo es geht, dann doch nicht wirklich hilfreich sind. Nachdem man mich mehrmals von einer Straßenbahnhaltestelle zur anderen geschickt hatte und ich gebe zu ich war schon wegen des mangelnden Nachtschlafs etwas genervt. Dann endlich hat mich eine Frau an die Metro verwiesen, naja und mit Metro kannte ich mich ja aus, denkste, denn hier waren die verschiedenen Bahnsteige über eine Rolltreppe und einen anderen Eingang getrennt und ich war zuerst leider auf dem falschen Bahnsteig. Fragen hilft immer auch wenn man die Sprache des Landes nicht beherrscht. Das hatte ich ja in den letzten drei Monaten oft genug geübt.

Um 20:30 Uhr, mit 30 Minuten Verspätung, startete der Flixbus von Warschau nach Berlin und war doch pünktlich um 5:00 Uhr am ZOB, Zentralen Omnibusbahnhof. Ich war erstaunt über die Größe (55 Gates) und über die große Anzahl von Bussen die hier in der Frühe in viele Städte Deutschlands und Europas fuhren. Mein, nein „Dein Bus“ (so heißt die Linie) ging pünktlich um 7:15 Uhr am Gate 19 ab und war um 14:05 Uhr in Gießen am Mathematikum. Jetzt war der Weg, das Prozedere am RMV- Automat, der Bahnsteig und die Regionalbahn nach Wetzlar mir unglaublich vertraut und ich war richtig stolz es geschafft zu haben.

  müde aber glücklich

Mein Traum, mein Reiseziel, von Laos auf dem Landweg (immerhin ca. 15 000 km) nach Wetzlar zu reisen, hatte sich erfüllt in gerade mal drei erlebnisreichen Monaten.

 

Moskau und St Petersburg – letzte Stationen auf meiner Reise

Wie verabredet traf ich am 22.  Mai meine Schwester Agnes in Moskau.

Die Begrüßung war freudig und wir haben sie mit einem Wodka gekrönt. Ich noch müde von meiner langen Zugfahrt und Agnes ganz glücklich darüber, dass sie es vom Flughafen mit Zug und Metro zum Hotel geschafft hat ohne Russischkenntnisse. In den nächsten Tagen erkundeten wir die Sehenswürdigkeiten wie Kreml, Basilius-Kathedrale,  Roter Platz, Kaufhaus Gum und viele Straßen, Plätze und Kirchen.

 

Basilius Kathedrale

Kreml Mauer

 

Roter Platz mit Historischem Museum und Kazaner Kathedrale

Ein Flügel des Kaufhaus Gum

Moskau ist eine Reise wert und jetzt kurz vor der Fußball-WM war vieles super auch auf englisch  beschriftet und markiert. Das Metrofahren ist, wenn man es einmal verstanden hat, leicht und komfortabel.

An einem Nachmittag haben wir eine Metrorundfahrt gemacht und uns die wunderschön gestalteten Metrostationshallen angeschaut. Das hatte sich ja Tashkent von Moskau abgeschaut und es ist hier wie dort beeindruckend.

      

Ich fragte mich, ob die vielen Menschen, angeblich täglich 9 Millionen, die täglich Metro fahren, das noch wahrnehmen. Schon die langen, schnellen Rolltreppen machen einem klar, wie weit es unter die Erde geht. Jede Linie hat ihre eigene Röhre in der die Bahnen manchmal im Drei- oder Fünfminutentakt fahren.

Die Kirchen in Moskau sind prachtvoll, innen wie außen.

Christus Erlöser Kathedrale

Einen Vormittag hatten wir uns schon morgens um Karten für den Kreml angestellt und doch waren die Karten für die Rüstkammer mit den wertvollen Schätzen schon ausverkauft.

Und das Bolschoj-Theater (leider nur von außen)  durfte nicht fehlen.

Einen Tag erkundeten wir Straßen, Gassen und die alte Schokoladenfabrik, die etwas abseits der üblichen Touristenrouten liegen.

Schon am ersten Tag in Moskau hatten wir und Fahrkarten für den Expresszug nach St. Petersburg am 26. Mai gebucht. Mit der Metro ging es zum Leningrader Bahnhof ( Moskau hat fünf oder sechs Bahnhöfe) und dort um 14:10 Uhr in den Expresszug, der uns die 624 km in 3 Std und 40 Min bis St Petersburg brachte.

Wir hatten uns ein Hotel direkt in der Nevsky Prospekt, der Haupt- und Prachtstraße von Petersburg gebucht. Agnes sagte noch, das sei nur 13 Minuten vom Bahnhof entfernt. Naja, wir wussten nur nicht in welche Richtung wir gehen sollten, klar Hausnummer 170, aber wie auch schon meine Erfahrung in anderen Städten war, sind oft keine Hausnummern zu finden. Also was war, wir liefen erst einmal 500 m in die falsche Richtung, dann zurück und von Hausnummer 110 bis 170 das sind in Großstädten mit großen Häusern mal locker 11/2 – 2 km. Es war heiß und Agnes Reisetasche wollte einfach nicht richtig rollen, d.h. die Rollen stellten sich immer wieder „quer“, nein machten die Grätsche, was den Weg erheblich erschwerte.

Im Hotel angekommen stellten wir fest, dass das Restaurant direkt nebenan „Bierkönig“ hieß und was ist richtig erfrischend nach so einer Reise, ja ein kühles Bier!

St Petersburg feierte an dem Wochenende seinen 315ten Geburtstag. Am Sonntag war die Innenstadt, die große Nevsky Straße für den Autoverkehr gesperrt, was viele Fahrradfahrer nutzen. Am frühen Nachmittag war dann eine Parade der vielen Musikkorps von St. Petersburg, die fast immer nur aus Trommlern bestehen, angesagt.

 

Am Abend war ein Feuerwerk am großen Kanal angekündigt und wir mitten dabei unter den 5 Millionen St. Petersburgern. Um 23 Uhr, es war noch immer nicht ganz dunkel (das sind die hellen Nächte weit im Norden), startete das große Feuerwerk und fasst hätte ich es verpasst, denn vor uns reckten Tausende ihr Handy in die Höhe. Ich glaube, sie haben das Feuerwerk aufgenommen, um es dann anschließend auf ihrem Handy zu betrachten.

      

Wir hatten Spaß und nutzen die Zeit für ein Schwesternselfie.

St. Petersburg besticht durch seine Nähe zum Meer, seine vielen Kanäle die die Stadt durchziehen und zu Flussfahrten einladen, durch seine Zarenpaläste und Kathedralen. Es ist eine quirlige Stadt und von den 5 Millionen Einwohnern sind sicher immer die Hälfte oder mehr in der Stadt mit Auto, Motorrad und vor allem zu Fuß unterwegs. Zum Glück gibt es auch hier eine Metro (50 Cent oder 45 Rubel die Fahrt, egal wo hin und egal wie lange, du musst nur unter der Erde bleiben) und wir konnten so manche Entfernung „verkürzen“.

 

Einen Vormittag widmeten wir der Eremitage, dem Winterpalast mit dem bekanntesten   Museum Russlands, es heißt auch das größte und  bedeutendste Kunstmuseum der Welt. Auch hier muss man rechtzeitig für die Karten anstehen (selbst die Automaten machen erst um 9:30 Uhr auf) und spätestens wenn so gegen 11 Uhr die ganzen Reisegruppen ins Museum strömen wird es fast unerträglich voll. Ich habe mir die Fotolizenz für die Innenräume erspart und anschließend ein Buch gekauft, dass die schönsten Räume und wichtigsten Kunstwerke enthält.

Ja und dann am 30.5. nein am Abend vorher am 29.5. war unsere gemeinsame Woche in Russland zu Ende und wir verabschiedeten uns wie wir es begonnen hatten mit einem echt russischen Wodka und viel Spaß beim Selfie.

Agnes nahm den gebuchten Flieger und ich trag die letzte Reise auf den Landweg in Richtung Deutschland an.

Auf dem Weg von Tashkent nach Moskau

19. 5. 19:05 Uhr da stand er, der Zug der usbekischen Eisenbahn. Wagen 5 Platz Nr 7 stand auf meinem Ticket.

 

Das war nun meine Bleibe für drei Nächte und zwei Tage. Und ich hatte das Glück, das Abteil für mich alleine zu haben 😁.

 

Und wie so manches Mal fragte ich mich kurz, auf was ich mich da wohl eingelassen habe?!?

Bei jedem Halt, der in der Regel 20 Min dauerte, konnte ich aussteigen, etwas frische Luft und Sonne genießen und mir die Füße vertreten. Meistens gab es auch Stände mit Getränken, Brot und Süßigkeiten und………

 

Wie hier geräucherten Fisch, den ich aber ausgelassen habe. Das Essensangebot im Zug bestand aus Plov und Manti und wer weiß was ich schon mal für Erfahrungen damit gemacht hatte und nachdem ich gesehen hatte wie in der Zugküche gekocht wurde, wird verstehen, dass ich darauf verzichtet habe. Ich hatte Tee, Kekse, Nüsse, noch zwei Müsliriegel aus Deutschland, usbekische Süßigkeiten mit Sesam und Sonnenblumenkernen und ein auf einem Bahnsteig erstandenes Fladenbrot, das musste reichen. Mein usbekischer Zugbegleiter, jedes Abteil hat mindestens einen der für alles verantwortlich ist, sprach zwar nur usbekisch und sicher auch russisch, was ich ja beides nicht sprechen und nicht verstehen kann, war sehr freundlich und um mich besorgt. Auch der junge Kellner aus dem Restaurantwagen, der zweimal am Tag mit einem Korb mit Getränken vorbei kam, sagte mittags immer Plov?? , abends Manti ?? und konnte gar nicht verstehen wenn ich jedes Mal entschieden den Kopf schüttelte.

Das war, kurz zusammengefasst, die Landschaft in Kasachstan, kasachische Steppe, endlose Weite. Manchmal waren Kamel-, Pferde-, Rinder-, oder Schafherden zu sehen, einsame Dörfer oder gar nur einzelne armselige Gehöfte. Ach die Städtchen, in denen der Zug hielt, muteten eher wie im „wilden Westen“ an. Dennoch habe ich mich dazwischen gefragt, ob es nicht besser wäre zumindest ein oder gar zweimal inne zu halten und durchaus einmal auszusteigen, um zu sehen wie das Leben dort ist. Ich glaube Touristen  oder eben Fremde haben diese Städtchen noch nicht gesehen. Mich hat ja sogar die kasachische Grenzfrau, die sogar ein paar Brocken deutsch sprach (sicher hatte mein Zugbegleiter schon gleich gesagt, dass da eine Ausländerin, eine Deutsche im Abteil ist)  gefragt wo ich denn hin will und vor allem warum.  Ja ich gebe es zu, drei Tage sind ganz schön lang und mir hat mehrfach der Hintern vom vielen Sitzen weh getan. Meine Musik, ein spannendes Buch, das eine oder andere Spiel auf dem IPad vertrieb mir die Zeit. Die Nächte waren ganz okay und ich habe erstaunlich gut geschlafen bei all dem Geratter und Geschüttelt. Mein schönes Reisekissen, aufblasbar und mit Daunen (!!) hat mir viel geholfen und vor allem die Stöße gut abgefedert. Über Sanitärverhältnisse lasse ich mich nicht aus, die warme Dusche im Hotel in Moskau, hat alles vergessen lassen. Der Zugbegleiter hat am Nachmittag des ersten Tages sogar die Toiletten mit, naja ich denke Chlorfix (??) gereinigt, so hat es über den ganzen Flur gerochen und wenn man in die Toilette kam in den Augen gebrannt. Wir haben uns freundlichst in Moskau verabschiedet und er ist noch am gleichen Abend wieder drei Tage nach Tashkent zurück gefahren.

 

Eindrücke aus Chiwa – Buchara – Sarmakand

Die Zeit ist vollgefüllt mit Eindrücken und Erlebnissen. Jeder Ort, jede Stadt nimmt uns neu gefangen mit ihren Schönheiten und ihren Alltagsbesonderheiten.

Hier nur ein paar Eindrücke davon. Ein Bericht folgt später. Ich bin gerade dabei mich auf den dritten Teil meiner Reise, die Zugfahrt nach Moskau vorzubereiten. 3360 km liegen vor mir (19. -22. 5., also Pfingsten im Zug), 66 Std sind veranschlagt. Eigentlich Zeit zum Schreiben –  aber kein Internet und damit intensive Lesezeit.

Ich werde euch berichten, wie ich diese Zeit gefüllt habe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Usbekistan – Tashkent

Die usbekische Grenze ist für mich auf meiner Reise die vierte Grenze die ich per Fuß überschreite. Nachdem uns der Taxifahrer von Schymkent direkt an der Grenze in Chernayevka abgesetzt hatte, reihten wir uns in den Strom der Menschen ein, die hier die Grenze passieren wollten. Fotos kann es keine geben, das ist an den Grenzen strengstens verboten. Hier schien man auf einen größeren Menschenstrom eingestellt zu sein, mehrere Grenzbeamte in kleinen Kabinen kontrollierten die Pässe und stempelten die Ausreise ohne Kommentar. Und, wir konnten es kaum fassen, bei der Einreise nach Usbekistan ging es genauso rasch und friedlich zu. Einzig für uns war nur ein bestimmter Grenzbeamter zuständig oder in der Lage den Pass und vor allem das Visum zu lesen, um freundlich lächelnd mit einem ‚wellcome‘ auf den Lippen den Einreisestempel zu vergeben. Direkt hinter der Pass- und Zollkontrolle bestürmten uns die Meute der Taxifahrer mit utopischen Preisen. Der Weg in die Stadt, ca. 30 Minuten mit dem Auto, sollte stolze 10 USD kosten. Hier sei jetzt gleich einmal berichtet, das USD in Usbekistan eine große Rolle spielen. An den, leider oft wenigen, ATM, Geldautomaten, gibt es nur Dollar, die man dann wieder in einer anderen Wechselstube in usbekische Som umtauschen muss. Ein Dollar ergibt 8000 Som und da z.B. 5000 Somscheine geläufig sind kann man sich vielleicht vorstellen mit welchen Geldbündeln man hier hantieren muss.

Das war mein Bündel für 150 USD, 1.260 000 Som in 5000 Somscheinen. 10 000 Som ist etwa 1€, eine Taxifahrt in der Stadt kostet 3000 Som (30 Cent) pro Person, eine Flasche Bier 15 000 Som und ein Essen so bei 20 000 – 70 000 Som.

Also jetzt zurück zu den Taxifahrern, wir, schon erfahren im Verhandeln, lachten und boten 5 Dollar dagegen, was wiederum die Taxifahrer zum Lachen veranlasste. Einige stiegen aus und einige feilschten mit uns weiter.  Bei 7 USD, was sicher immer noch zuviel war,  gab ein Taxifahrer nach und bemächtigte sich gleich unserer Koffer. Er rollte sie ca 800 m weiter zu einem Parkplatz. Hier stellte sich sein Taxi als Kleinwagen, Größe C1 oder Fiat 500, heraus und Birgit war wie so oft der Auffassung, das geht nicht.  Naja, die Verriegelung der hinteren Rückbank wurde gelöst, die Koffer hinten hinein geklemmt und ich hatte bei jedem Bremsvorgang die Rückbank mit dem Gewicht der Koffer im Rücken. Aber dies war ja nicht die erste abenteuerliche Taxifahrt die wir erlebten. Da hilft immer nur Gelassenheit und genügend Humor. Der Taxifahrer sprach ein paar Brocken Englisch, so dass wir erste Informationen über Automarken und heimischen Markt  erfahren konnten. Er brachte uns zu unserem Hotel Uzbekistan, das sich als ein 16 stöckiger  Hotelbau aus Sowjetzeiten herausstellte der im Reiseführer als Sehenswürdigkeit, mitten in der Stadt,  aufgeführt ist.  Das Hotel  Uzbekistan wurde 1974 erbaut und wird mit seinem schattenspendenden Fasadenvorhang aus verschränkten Betonrahmen als Prunkstück der Sowjetarchitektur beschrieben.

Dass der Bau auch hochmodern ist, erwies sich am Abend, da wurde die gesamte Hotelfasade zu einer übergroßen Projektionsfläche für usbekische Nachrichten des Präsidenten.

Unser Zimmer war im 14. Stockwerk mit einem herrlichen Blick über die Stadt. Vor unserem Hotel in einem Park steht das Standbild des Amir Timur , der Ur-, Ur-, Urgroßvater der Usbeken, wie uns schon der Taxifahrer ehrfurchtsvoll erklärt hatte. Dieser Amir Timur sollte uns auf unserer ganzen Reise begleiten und wir fragten uns oft, wie es zu der übergroßen Verehrung und Allgegenwart kommt.

Timur (1336 –  1405) gilt seit der Unabhängigkeit Usbegistans als nationaler Idenditätsstifter und wird von allen hochverehrt. Zweifelsohne ist der (touristenwirksame). Reichtum , die vielen herrlichen Moscheen und Mausoleen zum größten Teil auf ihn und seine direkten Nachfahren zurück zu führen. Timur hatte zu seiner Zeit durch Feldzüge ein großes Reich geschaffen und da er wohl auch ein Förderer der Künste war, entstanden Moscheen,  Medresen (islamische Lehranstalten) und Mausoleen, die heute die Schönheit von Chiwa, Buchara,  Samarkand und Tashkent ausmachen. Sie ziehen tausende Touristen aus allen Ländern und seit jüngster Zeit auch (so unser Guide) usbekische Reisende und Gruppen von Kindern und Jugendlichen an. Ein lebendiger Geschichtsunterricht meinte unser usbekische Führer.

In Tashkent sollten wir unseren Guide treffen, der uns dann 15  Tage geleiten sollte. Im Hotel lag keine Nachricht vor, also begaben wir uns auf unsere erste Erkundungstour.

Am nächsten Morgen dann beim Frühstück tauchte ein junger Mann mit einem Zettel Gertz / Simon auf. es war Furkart Soatov, ein junger deutschsprachiger Übersetzer, der uns abholen wollte. Er begleitete uns die ganze Reise. Leider als Reiseleiter noch ganz unerfahren, in Folge dessen sehr unsicher und manches verstand er schlichtweg erst mal nicht. Er konnte sicher in aller Ruhe Bücher übersetzen (das war auch sein Hauptjob), aber immer wenn er eben sehr unsicher war, mit der Organisation oder mit den kulturhistorischen Fakten, war sein Deutsch kaum zu verstehen, bzw. es fehlte uns der Zusammenhang. Ja nun kann man sagen Verständnis und Geduld, dies fiel uns aber jeden Tag mindestes einmal richtig schwer. Wir hatten diese Rundreise ja zuvor in Deutschland gebucht und dabei doch einiges, so nicht bedacht, was wir jetzt aus unserer Reiseerfahrung mitbrachten. So war an den Abenden immer ein Essen eingeplant, was auch wenn wir auf dem Land waren notwendig war. In den Städten führte uns dies aber in der Regel in „Touristenrestaurants“ in denen große Gruppen abgespeist werden und wir hatten keinerlei Wahlmöglichkeit.  Schon nach dem zweiten Tag begann das zu nerven, zumal Birgit gänzlich ohne Fleisch ißt und ich auch diese Fleischmassen, die hier wohl üblich sind, nicht jeden Tag mochte.  Hier tat sich unser Guide richtig schwer, da für ihn vegetarisch gar nicht vorstellbar war, er selbst aß mittags und abends Schaschlik und nochmal Schaschlik, was hier immer große Fleischspieße auf dem offenen Feuer gegrillt sind. Zu den Fleichspießen gibt es Unmengen rohe Zwiebel und Brot.

Nach dem dritten Tag hat es mich dann auch zum ersten Mal erwischt und mein Magen revoltierte und legte mich eine Nacht und fast zwei Tage lahm. Danach waren Fleischgerichte für mich erst mal tabu. Später bei unserem Aufenthalt auf dem Land erwischte es mich,  auch Birgit und noch einen schottischen Gast nach einer Pelmeniemahlzeit erneut. Die Usbekische Küche ist für uns, man möge es uns verzeihen, nicht sonderlich geschmackvoll, wenig abwechslungsreich und eben absolut fleischlastig. Dann wäre da noch der Plov, das Usbekische Nationalgericht, ein Reisgricht das mit Kuh-, Rind- oder Hammelfleisch, mit Reis, Zwiebeln und Karotten in viel (Hammel) Fett in einer großen Wogpfanne gegart und mit Kichererbsen und Rosinen serviert wird

Hier hat unsere Wirtin bei unserem Homestay in den Nuratabergen Plov auf dem offenen Feuer zubereitet. So wird es auch oft in den Restaunts gemacht, auf offenem Feuer wo immer das geht.  Vielleicht hat der eine oder andere von euch schon mal Plov gegessen, ich aß Plov hier zweimal ohne dass er mich begeistern konnte. Auch als wir dann in Samarkand selbst wieder für unser Essen auf die Suche gingen, mussten wir feststellen, dass es richtig schwer war etwas zu finden ohne Fleisch. Fisch gibt es fast nirgends, ja es gab immer griechischen Salat (Gurke, Tomate und Schafskäse) oder viele der etwas sauer eingelegten Salate aus Möhren oder rote Beete. Selbst die Italiener, die in Bishkek und auch Almaty bestens vertreten waren gabt es hier nicht. Okay soviel zum Essen wo wir vergeblich die angepriesenen usbekischen Köstlichkeiten gesucht haben.  Vielleicht sind wir auch nur zu verwöhnt. Wir trauerten der chinesischen Küche nach, die uns gut gemundet und bekommen war. Ähnlich erging es uns mit dem Wein. In Samarkand gibt es Wein aber er ist in seiner Herstellung fast wie geharzt und schmeckt sehr eigen. Dafür gibt es fast überall local Pivo, frischgezapftes Bier.

 

Von Kasachstan nach Usbekistan

Die Story von  meinem Weg auf der Seidenstraße war zuletzt bei Taraz in Kasachstan angelangt. Hier verbrachten wir, Birgit und ich, drei Tage. Es gibt dort nichts wirklich sehenswertes zu bestaunen, es gibt eben das Leben in einer Kleinstadt Kasachstans und für uns Entspannung zwischen Reisetagen. Es war mir schon bei der Planung klar, dass die Reise von Almaty nach Tashkent nicht spektakulär sein würde. Wir wollten den Süden des sehr großen Landes nicht in einem Rutsch  und tagelanger Zugfahrt, sondern langsam und stückweise bewältigen. Die Stationen sollten Taraz  und Schymkent, von wo es nicht mehr weit zur usbekischen Grenze ist, sein.

Also Taraz: angekommen mit dem Zug, per Taxi zum vorab gebuchten Hotel. Hier die Enttäuschung, es lag sehr weit außerhalb und war eher ein Hotel für Handlungsreisende oder Arbeiter. Es war sauber aber es gab z. B. keinen Frühstücksraum. Das Frühstück, was uns bei der frühen morgendlichen Ankunft angeboten wurde, wurde auf dem Zimmer serviert. Es gab dort aber weder Tisch noch Stuhl. Okay nach der Nachtzugfahrt ist Frau müde und nicht so tolerant. Zwei Männer nahmen uns mit dem Auto mit in die Stadt und gleich, so unser Wunsch,  zu einem Ort wo es guten Kaffee geben sollte. Dem war auch so, (italienische Kaffeemaschine wichtiges Erkennungsmerkmal) was die Laune doch deutlich hob. Okay ich verkürze jetzt einmal. Wir schauten uns im Städtchen um (war nicht viel los..) und suchten uns ein anderes Hotel im Zentrum  (eine Frau hat uns praktisch geworben, die uns am Eingang auf deutsch fragte,  ob wir die deutsche Reisegruppe seien, die sie erwartete).  Was haben wir weiter erlebt: erster richtig heißer Tag auf unserer Reise, ein Marathon am Ort, Zieleinlauf und Tanzvorführungen aber keine Zuschauer an der Strecke nur ein paar wenige laufinteressierte Freunde bei Start und Ziel, mit dem Taxi zu einem Mausoleum auf einem Hügel mit weitem Blick über die Stadt, neuer Turm und Park, in dem sich an diesem Tag die Hochzeitspaare zum Fototermin tummelten, dann doch noch ein weiteres Lokal mit akzeptablem Kaffee, lokales Essenangebot mit viel Fleisch im „Biergarten“.

Am 30. Mai fuhren wir vier Stunden mit dem Zug nach Schymkent. Laut unserem Ticket hatten wir in einem Vierbettabteil, es gibt bei diesen Zügen nur Abteile mit Betten, die Plätze links unten und oben. Als wir zum Abteil kamen schliefen unsere beiden anderen Mitreisenden tief und fest. Wir stellten unsere Koffer ab und machten uns auf einen langen Weg in den Restaurantwagen, ganz vorne am Zug. Bei einer Kanne grünem Tee und zwei Gebäckstückchen verbrachten wir dort lesend drei Stunden, was angenehmer war als im Abteil zu hocken. In Schymkemt, Taxi Verhandlungen am Bahnhof und Fährt zum Hotel. Dann wie immer neu orientieren, was ist drumherum und wo finden wir ein Kaffee und ein Lokal für das Abendessen. Beides ist uns gelungen und das Hotel hatte sogar einen schönen Garten (Seltenheit auf unserer Reise!), in dem ein gekühltes Bier serviert wurde. Schymkent, eine Millionenindustriestadt,  für eine Nacht und am nächsten Morgen mit einem Taxifahrer für 6000 Tenge ca. 300 km zur usbekischen Grenze.

 

 

 

 

Kasachstan – Almaty – Taraz – Schymkent

Von Bishkek bis Almaty in Kasachstan sind es gerade mal ca. 320 km und wie hier üblich bewältigt man das im Sharetaxi und es kostet 1000 (20 €)  Som für 2 Personen. Dank der freundlichen jungen Frau an der Rezeption des Hotels kam der Taxifahrer uns am Hotel abholen. mit uns im Auto noch zwei Männer und eine Frau, naja das Auto könnte mal ein 7sitzer gewesen sein. Jetzt war der jüngere Mann hinten eingeklemmt zwischen Koffern und Kisten. Das erste Stück, ca. 40 km, bis zur Grenze war schnell geschafft. Dort mussten alle raus und zu Fuß mit Gepäck erst Kirgistan verlassen, Ausreisestempel, dann vielleicht 500m weiter den Eintritt nach Kasachstan bewältigen. Ich hatte mal wieder ein besonderes Thema. Ich bin ja mit zwei Pässen gereist, ein neuer Pass (der alte hatte nicht mehr genügend Seiten) mit Chinavisum und der alte mit dem Visum für Usbekistan und Russland. Der beste Wechselort war jetzt, so hatte ich es mir gedacht, da wir weder für Kirgistan noch für Kasachstan ein Visum benötigen.  Also bei der Ausreise den Stempel in den neuen Pass, da war ja auch der Einreisestempel. Als ich dann bei dem Grenzer von Kasachstan meinen alten Pass vorlegte, kam prompt die Frage: (er sprach nur russisch!) „wo ist der Ausreisestempel?“  Also holte ich den zweiten Pass heraus und reichte auch diesen in sein Kabäuschen. Jetzt war die Frage, ja wieso zwei Pässe die logische Folge. Ich: oh Chinies oh Russian?????? Kurze Atempause, bei mir….., aber er schmunzelte verständnisvoll, verglich nochmal die Daten meiner Pässe und reicht sie mir mit dem üblichen Wink, weiter……..zurück.  Okay ich war erleichtert und nach einem erneuten Check meines Gepäcks war ich durch und in Kasachstan angekommen. Bilder gibt es grundsätzlich nicht an der Grenze, wer das macht riskiert Fotovernichtung und ????, wer weiß noch was.

Unser Taxifahrer wartet schon und weiter ging es auf einer langen Hochebene, gesäumt auf einer Seite wieder durch schneebedeckte Berge, weiter in Richtung Almaty.

             

Die Mittagspause legte unser Taxidriver bei einem Stand am Straßenrand ein, hier gab es, von einer Frau angeboten, die vergorene Stutenmilch und Brot. Wir lehnten dankend ab und griffen nur bei dem Brot zu.

Nach ca drei Stunden erreichten wir Almaty und das Taxi brachte uns bis zum Hotel mitten in der Stadt. Der erste Abend, die erste Ortserkundung hatte uns noch nicht wirklich Almaty näher gebracht.  Die Millionenstadt Almaty, früher einmal Hauptstadt von Kasachstan, bis es dann 1998 Astana wurde, liegt im Süden von Kasachstan und hat direkte Anbindung an Kirkistan und auch nach China. Von der Stadt aus sieht man als gewaltige Kulisse das Tien Schan Gebirge mit seinen Schnee- und gletscherbedeckten Viertausendern. Die Stadt selbst ist sehr grün und dennoch soll es im Sommer viel Smog geben. Mich haben die vielen Bäume entlang der großen Straßen beeindruckt und die  Gestaltung der Wohnstraßen mitten in der Stadt. Meistens sind es zwei schmale Autospuren rechts und links und in der Mitte ein breiter Fußweg mit Blumenrabatten, Kinderspielplätzen und eben auch ganz viele Eichen-, Pappel- und Ulmenbäume.

             

In den fünf Tagen unseres Aufenthalts in Almaty lernten wir nicht nur die besten Cafés kennen, wir waren auf dem Köl Töbe (1070m hoch) mitten in der Stadt mit der  Gondelbahn. Mit dem Stadtbus Nr. 12 fuhren wir in 40 Minuten bis zum Medeu (1609 m hoch) mit seiner  Eisschnelllaufbahn und von da aus mit drei Seilbahnen bis auf (3160 m) auf den Schymbulak, das Skigebiet von Almaty. Es waren sogar noch drei Lifte für Skifahrer offen und den ein oder anderen haben wir auch noch auf der Piste gesehen. Wir waren in dem alten, noch aus der Sowjetzeit  stammenden, Badehaus Arasan (finnische, türkische und russische Sauna!!),haben zwei Galerien und zwei Museen und den Grünen Markt, den Basar, besucht. Wobei ich sagen muss, dass das Nationalmuseum ehrwürdig veraltet ist. Wir haben viele nette Geschäfte gesehen und besucht und sowohl die Italienischen, als auch die chinesischen Restaurantes ausprobiert. Ich gebe zu die. chinesische Küche war uns um vieles näher als die kasachische.

       

         

         

      Hier gab es leckeren frischen Granatapfelsaft.

Von Almaty aus sind wir mit der Bahn, Nachtzug Zweibettabteil am 26. 4. nach Taraz weitergereist. Der Zug ging um 23:49 vom Bahnhof Almaty I ab, der weit außerhalb liegt. Ein Taxi brachte uns dort hin.

     Das Abteil war schmal, das Bett mussten wir selbst beziehen aber wir machten es uns gemütlich.

Um 9 Uhr am nächsten Morgen kamen wir in Taraz an, naja ausgeschlagen waren wir leider nicht. Im Bahnhof bemühten wir uns gleich um unsere weitere Reise und mussten feststellen, dass ein Zug nach Tashkent nur um 3 Uhr nachts geht und uns somit nur der Weg über Schymkent sinnvoll erschien. Wir erwarben zwei Tickets für den 30.4. und ließen uns dann von einem Taxi zum Hotel bringen.

 

 

 

 

 

 

Kirgistan – Bishkek und der Issyl Kul

Bishkek, die Hauptstadt von Kirgistan liegt am Fuße der kirgisischen Bergkette, z.Zt. noch schneebedeckt und ist mit 910 000 Einwohnern die größte Stadt im Land. Bishkek ist eine absolut grüne Stadt mit vielen Parks und Alleen. Jetzt im Frühling erfreute uns überall lichtes Grün  und herrliche Tulpen. Kirgistan ist für seine Wildtulpen bekannt, das weiß in Deutschland sicher kaum einer, in Holland vielleicht schon. Die Stadt hat einen eigenes Flair, eine Mischung aus gewachsener Architektur (die natürlich stark an die Sowjetzeit erinnert), bombastische  weiße Gebäude, Museum und Regierungsgebäude und viele kleine Häuser verschiedener Epochen. Unser Hotel, Silkroad Loge (wie könnte es anders sein) lag sehr zentral, so dass wir alles wunderbar zu Fuß erreichen konnten.

             

Was finden wir natürlich als erstes: eine Vinotheka mit leckerem Wein aus Italien, Frankreich und Deutschland. Die junge Frau, die uns bedient, spricht, nachdem wir und geoutet hatten, sogar deutsch. Sie war als Aupair in Frankfurt und will ab September in Wien studieren.  Wir sind nicht die einzigen Deutschen im Lokal (erst später erfahren wir, dass der Besitzer Deutscher ist), eine junge Frau gesellte sich zu uns. Sie ist Mitarbeiterin des Goetheinstituts in Almaty und begleitete eine Jazzgruppe auf einer Tournee in Kirgistan. Sie lädt uns für den übernächsten Tag zu dem Konzert in der hiesigen Philharmonie ein. Von ihr erfahren wir natürlich viel über Almaty und die Aktivitäten des Goetheinstituts. Nicht weit davon entfernt, um die Ecke fanden wir das nette Italienisch-kirgisische Café Adriano, das uns immer wieder in unseren Tagen  in Bishkek  anziehen wird mit seinem leckeren Cappuccino (Birgit) und Café Amerikano für mich.

       

Wir durchstreiften die Stadt mit seinen Parks, Monumenten und Geschäften. Die junge Frau an der Rezeption unseres Hotels war unglaublich hilfsbereit und versorgte uns mit allen wichtigen Informationen. In den nächsten Tagen suchten wir uns eine Travellagentur, denn wir hatten beschlossen, den Issyk Kul, das kirgisische Meer, zu besuchen. Wir sehnten uns nach Natur und Landschaft. Wir wurden fündig nach langem schwierigen Suchen nach Straßennamen und Häusern. Fünf Tage mit Fahrer und local Übernachtungen, das war genau das Richtige. Es wird sich auch als super herausstellen, weil der junge Fahrer hervorragend englisch spricht und wir uns mit ihm gut verstehen. Vorher kam aber erst noch unser Besuch in der Philharmonie. Es stellte sich heraus, dass das ein Jazzfestival war und an diesem Abend vier Gruppen, darunter auch die deutsche Gruppe FAVO (wen es interessiert, der schaue bei Youtube nach) auftraten. Es war ein interessanter abwechslungsreicher Abend für uns mit ganz unterschiedlichen Musikeindrücken. Aber Jazzfestival in unserem Sinne war übertrieben. Schon vor der Veranstaltung, auf der Suche nach der Philharmonie, hatte uns eine deutsche Frau kurz den Weg gewiesen. Sie, jetzt wissen wir, dass sie Ellen heißt und für die GIZ (deutscher Entwicklungsdienst) arbeitet und ihren Partner Holger trafen wir anschließend in der Vinotheka. Daraus folgte eine Einladung zum Frühstück am nächsten Morgen. Solche Begegnungen sind immer spannend und bringen uns viele Informationen über Land und Leute. Am darauffolgenden Tag wurden wir morgens am Hotel  von Azamat und seinem Toyotajeep abgeholt und wir fuhren zum ca. 250 km entfernten Issyk Kul. Der See verdient den Namen kirgisisches Meer schon wegen seiner Größe, eine Fläche von 6236 qkm, elf mal, volumenmäßig sogar sechsunddreißigmal größer als der Bodensee,. Die tiefste Stelle ist 692 m tief und er liegt auf 1609 m Höhe. Er wird umrahmt nördlich und südlich von Bergketten, die zwischen 4000 und 7ooo m hoch und auch im Sommer schneebedeckt sind. Unser erstes Ziel war das Tal des Tsching Kemin, was ganz nah an der kasachischen Grenze liegt. Wir übernachteten in Sanasch in einem Guesthouse das von einer kirgisischen Normadenfamilie betrieben wird. Als wir ankamen wurden wir mit Tee frischem Brot, selbstgemachter Marmelade und einer leckeren Suppe begrüßt. Nach einem ausgiebigen Spaziergang rund um das Dorf, es war herrlicher Sonnenschein, gab es am Abend ein leckeres Eintopfgericht mit Kartoffeln, Kraut und Rindfleisch. Wir eröffneten an diesem Abend unsere Kartenrunde Pasch.

          

Am nächsten Morgen hatte leider Birgits Wetterprognose recht und zum ersten Mal auf unserer Reise regnet es. Unser  Weg ging weiter zurück zum See. Die Nordseite ist eher touristisch mit aber eher kleinen Hotels oder Resorts und im Sommer tummeln sich hier viele Sommergäste aus Russland, Kasachstan und Kirgistan. Nach anderthalb Stunden erreichten wir Tscholpon Ata der größte Ort auf der Nordseite. Unser Fahrer brachte uns zu einem großen Steinfeld und sprach von Freilichtmuseum. Es war das Petrohyphenfeld. Hier kann man ca 5000 Steine mit Felsgravuren aus dem Jahre 2000 vor unsere Zeitrechnung bewundern, es ist beeindruckend. Weiter ging es im Nieselregen am See entlang, von dem wir leider nicht viel zu sehen bekamen, bis Karakol. Mit 92 000 Einwohnern ist Karakol die viertgrößte Stadt in Kirgistan und das Skizentrum schlechthin, weil es das einzige ist. Wir sehen die schneebedeckten Berge, alle zwischen 5000 und 7000 m in denen im Sommer auch bis hoch zu den Gletschern gewandert werden kann. Auch wir wanderten am nächsten Tag  hoch bis zum Skigbiet (ca 2500m), kommen da aber leider nicht weiter, weil es zur Zeit, warum auch immer, abgesperrt ist und ein Soldat an einem Tor den Eintritt verwehrt. Die Sonne hat uns an diesem Tag zum Glück verwöhnt, so dass das Wandern eine Freude war.

   Verzeiht die wenigen Bilder aber das hochladen mit der Kamera ist noch schwierig.                     Aus Holz erbaute russisch orthodoxe Kirche in Karakol

Am nächsten Tag besichtigten wir die orthodoxe Kirche, die dunganische Moschee, die im buddhistischen Stil gebaut ist und das Prshewalskij Museeum. Er war ein berühmter russischer Forschungsreisender, der in Karakol verstorben und dort auch begraben ist.

             

Der Basar in Karakol besteht, ich konnte es kaum glauben, aus vielen aneinander gereihten Seecontainern, in denen dann die enzelnen Läden untergebracht sind. Das Gemüseangebot entspricht genau dem, was dann heimisch auf den Tisch kommt. Unsere Reise ging weiter an der Südseite des Sees, der sich von seiner wilden Seite zeigte. Wellen, fast wie am Atlantik, brausten an den steinigen Strand.

       Im Tal Dshety Oguz mit seinen roten Felsen und heißen Quellen wanderten wir in eine Schlucht mit rauschendem Gebirgsbach. Der einsetzende Regen mit scharfem Wind hat und da wieder hinaus getrieben. In Bokonbajewo, einem ja fast unbedeutendem Ort, übernachteten wir in einem heimischen Guesthouse, ganz kirgisischer Stil und wurden dort auch am Abend verpflegt (kirgisische Pelmeni, wem das was sagt). Am nächsten Morgen hat hier uns wieder der Schnee überrascht. Wir besuchten noch die heimische Filzmanufaktur, die auch Teppiche für Manufaktum fertigt. Dann hieß es Abschied nehmen von See und felsiger Landschaft.

   Unsere Wirtin und Azamt unser Fahrer.      

 

       Unglaublich viele Pferdeherden      ja und auch das einsame Kamel am Straßenrand

   Da nochmals der See, dieses Mal azurblau und wie fast überall Schafe

  Leider endete unsere Fahrt mit Azamat an dieser Stelle, in den Bergen nach dem See. Sein Wagen hatte schlapp gemacht und wir mussten in ein Taxi umsteigen, das uns in gut zwei Stunden zurück nach Bishkek brachte.