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Kirgistan – Bishkek und der Issyl Kul

Bishkek, die Hauptstadt von Kirgistan liegt am Fuße der kirgisischen Bergkette, z.Zt. noch schneebedeckt und ist mit 910 000 Einwohnern die größte Stadt im Land. Bishkek ist eine absolut grüne Stadt mit vielen Parks und Alleen. Jetzt im Frühling erfreute uns überall lichtes Grün  und herrliche Tulpen. Kirgistan ist für seine Wildtulpen bekannt, das weiß in Deutschland sicher kaum einer, in Holland vielleicht schon. Die Stadt hat einen eigenes Flair, eine Mischung aus gewachsener Architektur (die natürlich stark an die Sowjetzeit erinnert), bombastische  weiße Gebäude, Museum und Regierungsgebäude und viele kleine Häuser verschiedener Epochen. Unser Hotel, Silkroad Loge (wie könnte es anders sein) lag sehr zentral, so dass wir alles wunderbar zu Fuß erreichen konnten.

             

Was finden wir natürlich als erstes: eine Vinotheka mit leckerem Wein aus Italien, Frankreich und Deutschland. Die junge Frau, die uns bedient, spricht, nachdem wir und geoutet hatten, sogar deutsch. Sie war als Aupair in Frankfurt und will ab September in Wien studieren.  Wir sind nicht die einzigen Deutschen im Lokal (erst später erfahren wir, dass der Besitzer Deutscher ist), eine junge Frau gesellte sich zu uns. Sie ist Mitarbeiterin des Goetheinstituts in Almaty und begleitete eine Jazzgruppe auf einer Tournee in Kirgistan. Sie lädt uns für den übernächsten Tag zu dem Konzert in der hiesigen Philharmonie ein. Von ihr erfahren wir natürlich viel über Almaty und die Aktivitäten des Goetheinstituts. Nicht weit davon entfernt, um die Ecke fanden wir das nette Italienisch-kirgisische Café Adriano, das uns immer wieder in unseren Tagen  in Bishkek  anziehen wird mit seinem leckeren Cappuccino (Birgit) und Café Amerikano für mich.

       

Wir durchstreiften die Stadt mit seinen Parks, Monumenten und Geschäften. Die junge Frau an der Rezeption unseres Hotels war unglaublich hilfsbereit und versorgte uns mit allen wichtigen Informationen. In den nächsten Tagen suchten wir uns eine Travellagentur, denn wir hatten beschlossen, den Issyk Kul, das kirgisische Meer, zu besuchen. Wir sehnten uns nach Natur und Landschaft. Wir wurden fündig nach langem schwierigen Suchen nach Straßennamen und Häusern. Fünf Tage mit Fahrer und local Übernachtungen, das war genau das Richtige. Es wird sich auch als super herausstellen, weil der junge Fahrer hervorragend englisch spricht und wir uns mit ihm gut verstehen. Vorher kam aber erst noch unser Besuch in der Philharmonie. Es stellte sich heraus, dass das ein Jazzfestival war und an diesem Abend vier Gruppen, darunter auch die deutsche Gruppe FAVO (wen es interessiert, der schaue bei Youtube nach) auftraten. Es war ein interessanter abwechslungsreicher Abend für uns mit ganz unterschiedlichen Musikeindrücken. Aber Jazzfestival in unserem Sinne war übertrieben. Schon vor der Veranstaltung, auf der Suche nach der Philharmonie, hatte uns eine deutsche Frau kurz den Weg gewiesen. Sie, jetzt wissen wir, dass sie Ellen heißt und für die GIZ (deutscher Entwicklungsdienst) arbeitet und ihren Partner Holger trafen wir anschließend in der Vinotheka. Daraus folgte eine Einladung zum Frühstück am nächsten Morgen. Solche Begegnungen sind immer spannend und bringen uns viele Informationen über Land und Leute. Am darauffolgenden Tag wurden wir morgens am Hotel  von Azamat und seinem Toyotajeep abgeholt und wir fuhren zum ca. 250 km entfernten Issyk Kul. Der See verdient den Namen kirgisisches Meer schon wegen seiner Größe, eine Fläche von 6236 qkm, elf mal, volumenmäßig sogar sechsunddreißigmal größer als der Bodensee,. Die tiefste Stelle ist 692 m tief und er liegt auf 1609 m Höhe. Er wird umrahmt nördlich und südlich von Bergketten, die zwischen 4000 und 7ooo m hoch und auch im Sommer schneebedeckt sind. Unser erstes Ziel war das Tal des Tsching Kemin, was ganz nah an der kasachischen Grenze liegt. Wir übernachteten in Sanasch in einem Guesthouse das von einer kirgisischen Normadenfamilie betrieben wird. Als wir ankamen wurden wir mit Tee frischem Brot, selbstgemachter Marmelade und einer leckeren Suppe begrüßt. Nach einem ausgiebigen Spaziergang rund um das Dorf, es war herrlicher Sonnenschein, gab es am Abend ein leckeres Eintopfgericht mit Kartoffeln, Kraut und Rindfleisch. Wir eröffneten an diesem Abend unsere Kartenrunde Pasch.

          

Am nächsten Morgen hatte leider Birgits Wetterprognose recht und zum ersten Mal auf unserer Reise regnet es. Unser  Weg ging weiter zurück zum See. Die Nordseite ist eher touristisch mit aber eher kleinen Hotels oder Resorts und im Sommer tummeln sich hier viele Sommergäste aus Russland, Kasachstan und Kirgistan. Nach anderthalb Stunden erreichten wir Tscholpon Ata der größte Ort auf der Nordseite. Unser Fahrer brachte uns zu einem großen Steinfeld und sprach von Freilichtmuseum. Es war das Petrohyphenfeld. Hier kann man ca 5000 Steine mit Felsgravuren aus dem Jahre 2000 vor unsere Zeitrechnung bewundern, es ist beeindruckend. Weiter ging es im Nieselregen am See entlang, von dem wir leider nicht viel zu sehen bekamen, bis Karakol. Mit 92 000 Einwohnern ist Karakol die viertgrößte Stadt in Kirgistan und das Skizentrum schlechthin, weil es das einzige ist. Wir sehen die schneebedeckten Berge, alle zwischen 5000 und 7000 m in denen im Sommer auch bis hoch zu den Gletschern gewandert werden kann. Auch wir wanderten am nächsten Tag  hoch bis zum Skigbiet (ca 2500m), kommen da aber leider nicht weiter, weil es zur Zeit, warum auch immer, abgesperrt ist und ein Soldat an einem Tor den Eintritt verwehrt. Die Sonne hat uns an diesem Tag zum Glück verwöhnt, so dass das Wandern eine Freude war.

   Verzeiht die wenigen Bilder aber das hochladen mit der Kamera ist noch schwierig.                     Aus Holz erbaute russisch orthodoxe Kirche in Karakol

Am nächsten Tag besichtigten wir die orthodoxe Kirche, die dunganische Moschee, die im buddhistischen Stil gebaut ist und das Prshewalskij Museeum. Er war ein berühmter russischer Forschungsreisender, der in Karakol verstorben und dort auch begraben ist.

             

Der Basar in Karakol besteht, ich konnte es kaum glauben, aus vielen aneinander gereihten Seecontainern, in denen dann die enzelnen Läden untergebracht sind. Das Gemüseangebot entspricht genau dem, was dann heimisch auf den Tisch kommt. Unsere Reise ging weiter an der Südseite des Sees, der sich von seiner wilden Seite zeigte. Wellen, fast wie am Atlantik, brausten an den steinigen Strand.

       Im Tal Dshety Oguz mit seinen roten Felsen und heißen Quellen wanderten wir in eine Schlucht mit rauschendem Gebirgsbach. Der einsetzende Regen mit scharfem Wind hat und da wieder hinaus getrieben. In Bokonbajewo, einem ja fast unbedeutendem Ort, übernachteten wir in einem heimischen Guesthouse, ganz kirgisischer Stil und wurden dort auch am Abend verpflegt (kirgisische Pelmeni, wem das was sagt). Am nächsten Morgen hat hier uns wieder der Schnee überrascht. Wir besuchten noch die heimische Filzmanufaktur, die auch Teppiche für Manufaktum fertigt. Dann hieß es Abschied nehmen von See und felsiger Landschaft.

   Unsere Wirtin und Azamt unser Fahrer.      

 

       Unglaublich viele Pferdeherden      ja und auch das einsame Kamel am Straßenrand

   Da nochmals der See, dieses Mal azurblau und wie fast überall Schafe

  Leider endete unsere Fahrt mit Azamat an dieser Stelle, in den Bergen nach dem See. Sein Wagen hatte schlapp gemacht und wir mussten in ein Taxi umsteigen, das uns in gut zwei Stunden zurück nach Bishkek brachte.

 

 

Kashgar und von China nach Kirgistan

                unser Hotel

Jetzt bin ich schon vier Tage in Kirgistan, mittlerweile in Bishkek und will noch über die letzten Tage in China und vor allem über die Grenzüberschreitung berichten.

In Kashgar hatten wir einen sehr netten Guide, der uns viel gezeigt  und für viele unserer Fragen Antworten hatte. Von Kashgar aus unternahmen wir einen Ausflug zum Karakul See, der am Karakul Highway liegt. Leider war es an diesem Tag sehr diesig und wir sahen von der ganzen Berglandschaft auf der Fahrt nicht viel. Am See, der von 7000er Bergen umrahmt ist, wurde es ein wenig heller, so dass wir die Gletscher erahnen konnten. Der nächste Tag war ein freier Tag und wir erkundeten die neue und die „neue alte“ Stadt. Sie ist vor einigen Jahren im alten Stil restauriert oder gar neu erbaut worden. Es sind Lehmbauten, die eben an die Zeit der alten Oase mit ihren Kamelkarawanen und Handelsplätzen erinnern.

  

Am nächsten Tag hatte ich mir einen Besuch des bekannten Sonntagsmarktes gewünscht, denn der Guide wollte uns Kashgar zeigen. Der Tiermarkt ist mittlerweile vom sonstigen Markt getrennt und fast außerhalb der Stadt auf einem staubigen Feld. Rinder, Schafe, Ziegen, Esel, Pferde und Kamele werden hier angekarrt und verkauft. Die Männer begutachten die Tiere, palavern lange herum, dann Handschlag und beide berühren die Erde mit ihren Händen und der Handel ist besiegelt.

                      

Der andere Teil des Basars ist stadtnah und dort kann man alles kaufen, erhandeln, was der Mensch zum Leben braucht oder auch nicht. Das Treiben auf dem Markt war groß, weil eben alle sonntags kommen.

Am Montag war es dann so weit, unser letzter Tag in ChIna. Der Guide mit einem Fahrer holten uns am Hotel ab und brachten uns über eine vierstündige Stecke durch eine atemberaubende Gebirgslamdschaft zum Torugatpass, auf dem die Grenzstation zu Kirgistan ist. Die Grenzüberschreitung ist nur mit einem Auto aus China, mit Begleitung und entsprechenden Genehmigungen möglich. Auf der anderen Seite muss einem ebenfalls ein Auto abholen, denn dort ist sonst nichts und man und frau käme gar nicht weiter. Diese Abholung mussten wir uns in Kashgar noch organisieren, da war uns unser Guide zum Glück behilflich. Das wäre auch gut. Wichtig wäre, dass man es vorherige wüsste, oder wenn auch der Reiseführer dazu eine entsprechende Aussage machen würde. Hier steht nur, dass es einen Bus gibt, was aber so nicht stimmt.

Schon 80 km vor der Grenze befindet sich die Imigrationsbehörde, sprich Zoll und Ausreiseformalitäten. Weil der Durchleuchtungsapparat kaputt war, mussten wir unseren ganzen Koffer auspacken und den  Grenzmensch hat vor allem unsere Bücher auch die Tagebücher interessiert. Ich  bin aber überzeugt, dass gar nichts davon lesen konnte. Danach fährt man die 80 km auf einer „dirty road“ mit entsprechenden Löchern bis zur Grenze, die sich auf 3500 m befindet. Der Fahrer legte Tempo vor, trotz Löcher und Geholpere, denn um 14 Uhr schließt die Grenze und öffnet erst wieder nach zwei Stunden. Wir waren um 13:50 Uhr dort, aber an diesem Montag waren die Miliärs, die die Schlüsselgewalt über das Tor an der Grenze haben, eben schon um 13:45 Uhr zum Lunch gegangen und hatten das Tor abgeschlossen. Da half gar nichts. Wir sahen das Auto, was uns auf der anderen Seite abholen sollte durch den Zaun, es war saukalt und fing an zu schneien. Unser Guide zuckte die Schultern: Pech gehabt, nichts zu machen!! So fuhren wir ca 3 km zurück zu der letzten Ansiedlung der Normaden und den Gebäuden der Grenzer.

    

          

Hier bei einer Normadenfrau in einem „famely restaurant“ bekamen wir warmen Tee und eine Mahlzeit aus Rindfleisch und eine  Lammbrühe mit Fladenbrot, alles lecker und die Umstände und Umgebung eben local ungeschminkt. Die Frau wechselte mir auch noch Yuan in Som, die kirgisische Währung, denn sie hat hier oben kirgisische LKWfahrer, die Waren von China holen. Okay, nach zwei Stunden, um 16:00 Uhr, machten wir uns wieder auf zum Tor. Naja es war eben nicht unser Tag, der chinesische Grenzer hatte wohl wenig Lust oder war nach der Mittagsmahlzeit eingeschlafen oder …………. jedenfalls es wurde 17 Uhr  bis endlich einer gemächlich des Weges kam, aber immerhin den Schlüssel bei sich hatte. Er schloss mit aller Ruhe das Tor auf und alles um uns herum , es war noch ein Auto mit zwei Japanern in Warteposition zum Grenzübertritt, wurde es quicklebendig. Wir holten unsere Koffer aus dem Auto verabschiedeten uns von Fahrer und Guide und marschierten über die Grenze zu unserem dort warteten Fahrer und Fahrzeug. An der Grenze aus Kirgisien warteten hunderte von LKWs. wir fuhren jedenfalls einige Kilometer an ihnen vorbei ins neue Land Kirgistan.

  Die Bilder sind so schlecht, weil man eigentlich gar nicht fotografierenden darf und ich aus dem Auto mit dem Handy eins geschossen habe.

In Kirgistan erreichten wir nach ca. 30 km den Grenzposten. Erst mal wieder ein geschlossenes Gatter, Schneetreiben und eisiger Wind, dann Passkontrolle und Einreisestempel. Eigentlich problemlos, aber die beiden Grenzer konnten den Computer und die kleine Kamera, für eine Aufnahme von uns, nicht wirklich bedienen, naja vielleicht waren sie ja neu :)).

Vor uns lag noch ein Weg von gut 300 km bis Naryn. Dort hatten wir, als Zwischenstation auf dem Weg nach Bishkek, uns für zwei Nächte in einem  Hotel eingebucht. Zum Glück stand in unserem Zimmer ein Elektroheizer, sonst wäre es ganz schön frostig gewesen.

Naryn ist eine kleine Stadt, sehr arm, eine Straße lang mit einem Basar aber auch einigen Cafés (heißen in Kirgistan alle Lokale). Am ersten Abend hatten wir uns mit Brot, einem Stück Käse und zwei Flaschen kaltem Bier aus einem Laden versorgt, da war alles noch zu neu und wir kannten uns gar nicht aus. Am nächsten Tag sah es dann schon anders aus und wir fanden uns zurecht. Ein Café erfreute uns nachmittags mit gutem Kaffee und abends auch mit einer warmen Mahlzeit.

Mit einem Sammeltaxi mit zwei einheimischen Frauen außer uns und einem Haufen Gepäck fuhren wir am 11.4. mit einem alten Audi 80 (davon gibt es hier viele auch alte Mercedes und VWs) weiter,  360 km, durch beeindruckende Gebirgslandschaft, vorbei an endlos weiten Weiden für Pferde- Rinder- und Schafherden. Hier findet „Massentierhaltung“ mit viel Freiheit für die Tiere statt.

 Leider nur ein Bild aus dem Auto und ich saß auch noch hinten in der Mitte.

 

 

 

Reis

 

 

Über Turpan nach Kashgar

Von Dunhuang ging es auf gleichem Weg wieder zum Bahnhof Liuhuan. Hier Schweitzer Messer 2. Teil: Wieder an der Sicherheitskontrolle fragte die Sicherheitsfrau ob ich ein Messer im Koffer hätte. Ich bejahe und muss das Messer aus dem Koffer, zum Glück habe ich es in der oberen Außentasche, holen und der Frau übergeben. Ich protestiere wieder und höre als erstes „wir haben hier Regeln.“ Dann wird erneut ein Polizist hinzugezogen. Inzwischen hat Birgit, die vor mir durch war, nebenbei sie hatte das zweite Messer (eine einfachere Ausgabe) von mir im Koffer, aus ihrem Rucksack die Äpfel ausgepackt und hat gestikuliert, dass wir das Messer nur zum Äpfelschälen brauchen. Die Sicherheitsleute und der Polizist berieten hin und her, dann nickt der Polizist und gabt mir das Messer mit der Bemerkung auf gebrochenem Englisch, dass ich das Messer zurück in den Koffer tun soll und im Zug nicht benutzen darf. Ich muss mich dann noch mit den Daten Name und Passportnumber in eine Liste eintragen. Okay, das war jetzt eine neue Variante.

In knapp drei Stunden waren wir in Turpan, Hauptstadt des Districts, quirlige urigurische Stadt mit 255 000 Einwohner, also eine absolute Kleinstadt. Im Zug wurden wir wieder, als einzige nochmals von einem Polizisten kontrolliert. Er machte, wie sein Kollege im Zug zuvor auch, ein Handybild von unseren Pässen und den Visa und dann noch ein Foto von uns. Wir fragten uns immer, was sie wohl damit machen. Wir wurden vom Zug abgeholt, es gibt erneut Passkontrolle beim Ausgang und hier wieder Handyfotos. Turpan ist eine typische Oasenstadt und erinnerte uns sehr an marokkanische Städte, Lehmhäuser und entsprechend verzierte Fenster und Türen.

  Der Hof unseres Hotels.   

An diesem Abend finden wir in Richtung Stadt nicht wirklich etwas und entscheiden uns dann im Restaurant neben unserem Hotel, bei dem es auch am nächsten Tag unser Frühstück gab, die üblichen Nudeln mit Gemüse zu essen. Kaltes Bier bekamen wir im Laden nebenan, oh Wunder.

Mit unserer Guide, eine Chinesin, die leider schlecht Englisch (breites chinesisch-englisch) sprach, erkundeten wir an diesem Tag die Gao Chang Ruins, eine alte in Bruchstücken erhaltene Ruinenstadt, 141 Jahre vor unserer Zeitrechnung begründet. In Turpan und bei all unseren Besuchen erlebten wir ein kaum fassbares Kontrollsystem der Polizei. In jedem Museum oder bei jeder Sehenswürdigkeit lief unser Rucksack durch eine Sicherheitsmaschine und wir mussten die Pässe zeigen. Bei Einfahrt in eine Region der Bergdörfer, Sicherheitskontrolle für alle Fahrzeuge. Unser Guide erklärte uns, es habe vor einigen Jahren terroristische Aktivitäten gegeben oder Diebstähle in der Nacht und jetzt würden sie sich sicherer fühlen. Ich glaube es hat etwas mit der Region der Uiguren zu tun. Der Bevölkerung wird vermittelt, wir kontrollieren alles und sie nehmen es stoisch hin. Die Steigerung werden wir dann in Kashgar erleben, allerdings werden wir dort als Touristen weitgehend verschont.

An diesem Tag besuchten wir noch das Dorf Tuygugon. Dort leben uigurische Bauern in Lehmhäuseren. Sie bauen Wein an, stellen aber keinen Wein her, sondern produzieren verschiedenen Sorten von Rosinen, die man dann überall kaufen kann. Zum Lunch überreden wir Guide und Fahrer, dass wir local essen wollen. So gesagt hielt der Fahrer in einem Dorf an. Als erstes sahen wir, wie die Männer dort offen an der Straße, in gemauerten Öfen, Fladenbrot backen. Das werden wir auch später in Kashgar überall sehen. Dann setzten wir uns an der Straße in ein Lokal, wo Frauen in großen Woks Gerichte frisch zubereiten, fride nudels.

         

Das Gräberfeld Astana, unser nächster Halt,  bei dem auch zwei Mumien ausgestellt sind, diente der Bevölkerung von Gao Chang als Begräbnisstätte.

Die Flammenden Berge, eine Attraktion von Turpan, eine 90 km lange und bis 1800 m hohe Gebirgskette, die aus rötlichem und orangefarbenem Sandstein besteht, sehen wir leider nur im Dunst und keine „Flammen“, die sonst die Abensonne erzeugt.

Am nächsten Tag, es ist schon morgens sehr windig, dafür aber blauer Himmel uns Sonne, besuchten wir erst das Emin Minarett und dann die Ruinenstadt Jiao He. Sie ist 200 Jahre vor unserer Zeitrechnung entstanden und in weiten Teilen erstaunlich gut erhalten, die Größe und Weitläufigkeit beeindruckt uns sehr. Der Wind, eher Sturm forderte und aber auch einiges ab.

   

Nach einem leckeren Lunch in einem Lokal in der Innenstadt und dem Einkauf im Supermarkt (Verpflegung für unsere 24 stündige Zugfahrt nach Kashgar) besuchten wir noch das Museeum und die Informationen zu den Karez Wassersystemen, die noch heute Teile von Turpan mit Wasser aus den Bergen versorgen.

Um 17 Uhr brachte uns unser Team aus Fahrer und Guide zum Bahnhof in Turpan und jetzt kommt Schweitzer Messer Teil 3: In den Bahnhof Turban, jetzt nicht Schnellbahn sondern ganz normaler Zug, gab es drei aufeinander folgende Sicherheitschecks des Gepäcks. Bei der dritten Kontrolle wurden wir aufgefordert unsere Koffer zu öffnen und die Frage Messer stand erneut an. Birgit öffnete ihren Koffer und zeigte eine kleine Schere vor und sie nickten es ab. Also ich ebenso meinen Kulturbeutel aufgemacht und meine Schere für die Nägel vorgezeigt. Nein sie waren nicht zufrieden. An diesem Tag hatte ich mein Messer ganz sorgfältig in meine Wäsche eingewickelt. Ich musste also weiter auspacken und das Messer heraussuchen. Sie nahmen es mir ab und alle Erklärungen halfen nichts, kein Apfel kein …….. Die Guide, die immer noch dabei war versuchte mich zu beruhigen. Inzwischen standen wieder mehrere Sicherheitsleute um mich herum. Ich nahm das Messer dem Sicherheitsmensch ab und schenkte es demonstrativ der Guide. Damit waren sie zufrieden und ich konnte wieder einpacken. So ist mein gutes Schweitzer Messer mit seinem vielen Zubehör an eine chinesische Frau übergegangen, quasi bei der letzten Zugkontrolle, denn das war ja auch unsere letzte Zugfahrt nach Kashgar. Wie sage ich immer: man muss auch mal verlieren können!! Immerhin hatten wir ja für alle Fälle noch das zweite Messer!!

Die Nacht- und Tagfahrt im Hardsleeperabteil war ein besonderes Erlebnis. Sechs Betten übereinander, keine Tür davor und so der ganze Wagon. Alles weitere, wie z.B. Sanitäranlagen erspare ich euch. Wir haben es durchgestanden und sind am nächsten Tag um 18 Uhr in Kashgar müde, „schmutzig“ aber wohlgemut angekommen.

          

 

 

Die Seidenstraße und die Oase Dunhuang

Von Zhangye aus fuhren wir mit dem Schnellzug nach Dunhuang, die erste Oasenstadt am Rande der Gobi- (im Norden), der Kumtag  und der Taklamakanwüste (im Südwesten).

Am Bahnhof Zhangye beginnt die Story meines Schweizer Messers, das ich in meiner Bauchtasche hatte, denn schon im Zug nach Zhangye haben wir damit einen Apfel geschält und geteilt. Also hier Teil 1: man beachte, das Messer war in Kunming und in X’ian bei der Bahnhofsicherheitskontrolle ohne Auffälligkeit mitgereist. Ihr müsst wissen, beim Eingang in einen Bahnhof werden alle Gepäckstücke durchleuchtet, wie bei uns am Flughafen. Nun in Zhangye hält mir eine Sicherheitsfrau nach der Durchleuchtung das Messer hin und vermittelt, dass es nicht zulässig sei. Ich protestiere. Es gibt einen Disput hin und her (sie sprechen kein oder nur zwei Brocken Englisch).  Inzwischen waren zwei Polizisten dazugetreten und winken mit finsterer Miene, dass ich weiter gehen solle.  Die Sicherheitsfrau wirft das Messer in eine Kiste. Ich, ihr könnt euch vorstellen, grummele, packe meinen Koffer wiede zu und ziehe ab. Im Warteraum rege ich mich noch richtig auf. Als ich wenige Minuten später meinen Bauchgurt öffne um nachzuschauen, dass alles andere noch am Platz ist, finde ich mein Messer und kann es kaum fassen. Was war da passiert, bzw. was für ein Messer hatte die Frau da in der Hand?  Das ganze kam mir spanisch, nein chinesisch vor.

Der Zug kam pünktlich und war voll wie immer. Die Landschaft änderte sich hin zu Wüste, Steinwüste, schwarze Steine und Felsen, eine Mondlandschaft. Nach dreieinhalb Stunden, immer durch diese Mondlandschaft, die Abwechslung waren Hügel oder Berge, erreichten wir Linguan. Dort stiegen wir aus, denn das ist der Bahnhof, der am nächsten, 130 km entfernt,  für Dunhuang  liegt. Später hörten wir von unserem Guide, dass die Schnellbahntrasse von Russland gebaut sei und man auf dem Reißbrett die Linie gezogen habe und da sei Dunhuang eben daneben gelegen. Wir wurden von einem Fahrer, wie verabredet, abgeholt und in eineinhalb Stunden ging es auf einer kerzengeraden Straße durch ebendiese Mondlandschaft, schwarz, grau und Steine, manchmal einzelne Gestrüppsträucher, sonst nichts. ach doch vereinzelt waren Kamelherden zu sehen, in Richtung Dunhuang. Wir sahen auch große Erdbewegungen und den Ausbau der Straße zur vierspurigen Autobahn, neue Seidenstraße läßt grüßen. Der Verkehr zur Zeit wenige LKWs und fast noch weniger Pkws.

In Dunhuang angekommen  machten wir uns auf den Weg den Nachtmarkt, wie er im Reiseführer beschrieben steht, zu erkunden. Es war ein ‚local market‘ auf dem die Einheimischen alles kaufen können was sie für ihren Alltag brauchen: Obst und Gemüse, Brot und Fleisch, lebende Hühner, Nüsse aller Art, Rosinen verschiedener Sorten, Kleidung und Haushaltsgegenstände.

     Sorry um die kleinen Bilder, aber im Moment bekomme ich es nicht anders hin. Entweder liegt es an dem schlechten Internet hier oder an mir :(. 

Zum Abendessen  suchen wir ein local Restaurant auf und anhand von Bildern an der Wand wählen wir aus Nudelgericht mit Huhn und Gemüse für mich und nur Gemüse für Birgit. Auf dem Heimweg, am Fluss entlang, sahen wir besondere Attraktionen, Plattformen und Schiffnachbildungen im Fluss, die man über schmale Fußtritte im Fluss erreichen konnte.

Am nächsten Tag wartet morgens schon Adam, der englischsprachige Guide auf uns in der Hotellobby. Heute stehen die Mogao Grotten und die singenden Dünen von Dunhuang auf dem Programm. Die Mogao Grotten (Quianfodong) , seit 1987 Weltkulturerbe, sind in den Sandstein  gegrabene Buddhahöhlen, die ersten von 366 n Chr.. Bis ins 13. Jahrhundert entstanden hier bis zu 1000 Höhlen. Die Höhlen sind sehr gut erhalten und wunderbar ausgestattet mit Figuren und Gemälden.

              

Die Führung ist wieder gut organisiert und auf Massen von Besuchern ausgelegt (zum Glück sind heute nur vielleicht 300 mit uns). Erst sieht man zwei Filme über die Entstehung und wie sie heute aussehen, dann wird man mit einer Guide Vorort durch acht Höhlen geführt. Wir waren sehr beeindruckt.

Bei dem einchecken zu den Filmen haben wir ein amerikanisches Ehepaar, Naseen und Mike, kennengelernt. Sie waren auf Geschäftsreise in China und jetzt noch auf einem Abstecher in Dunhuang. Weil wir uns sehr nett unterhalten haben und unser Auto, für diesen Tag,  8 Sitze hatte, luden wir beide ein mit uns den Tag zu verbringen. Es war nett und sehr interessant, wir tauschten uns über USA, Deutschland und chinesische Gepflogenheiten mit beiden und unserem Guide sehr lebhaft aus. Adam brachte uns zum Lunch in ein local Restaurant, endlich konnten wir einmal fragen, was das alles für Gerichte sind. Anschließend zeigt er uns auf unsere Bitte hin ein Café mit wirklich gutem Cappuccino und Espresso.

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X’iang nach Zhangye

Von X’ian sollte unsere Reise weiter mit dem Transrapid nach Zhangye gehen. Der Weg dahin brachte uns die erste Erfahrung mit der Metro in X’ian. Der Nachtportier, den wir nach einem Taxi gefragt hatten, hat uns die Metro empfohlen, die Station sei in der Nähe es sei nur wenige Stationen und wir wären direkt am Nordbahnhof, wo die Schnellzüge abgehen. Damit wir zurecht kämen schrieb er uns einen Zettel, der sich dann auch als absolut hilfreich erwies.

Auf dem Weg wurden wir ganz oft angesprochen, wo wir her kämen. Viele wollten uns vermitteln, dass sie ein wenig englisch können und einer sogar zwei Brocken Deutsch.

Am Bahnhof angekommen, zeigte sich, wenn man einmal das System erfasst hat, ist es immer das gleiche Prozedere. Mit dem Unterschied, dass die Schnellbahnbahnhöfe fast alle ganz neu und entsprechend modern mit Anzeigetafeln in zwei Sprachen ausgestattet sind. Im Zug selbst ist es, so unsere Erfahrung aus drei Strecken, sehr voll und unsere großen Gepäckstücke mussten immer gesondert untergebracht werden. Aber auch das gewinnt Routine, zumal unsere Tickets bisher immer im gleichen Wagen Nr.2 waren.

I

In Zhangye angekommen erwartete uns eine nette junge Frau mit Handyübersetzung. Sie fuhr uns auch am nächsten Tag zu den Regenbogenbergen. Am ersten Abend, es war schon nach 21 Uhr suchten wir noch nach einer Essensglegenheit. im Hotel war schon Feierabend. So brachte uns die Hotelmanagerin, die als einzige etwas englisch reden konnte, zu einer Suppenküche gegenüber. Dort bekamen wir noch eine Nudelsuppe. Am nächsten Tag waren die Regenbogenberge, der geologische Park, Linze Danxia Park, angesagt. Nach einer halben Stunde mit dem Auto erreichten wir eine riesige Museums- bzw. Parkanlage. Hier werden die Dimensionen China deutlich, alles groß und für viele viele Menschen ausgelegt. Die Chinesen reisen ja bekanntermaßen mittlerweile auch im eigenen Land sehr viel. Zum Glück war es jetzt fast menschenleer. Nach dem man die Eintrittskarten gelöst hat, wird man mit Shuttlebussen über das Gelände gefahren und an den entsprechenden Haltestellen und Aussichtspunkten raus gelassen und steigt dann über vorgegebene Wege und Holztreppen auf die Berge. Es macht alles Sinn, sonst wäre die Natur schnell zertrampelt, denn die Chinesen, naja andere sicher auch, sind gnadenlos. Die ganze Organisation, die wir später auch noch bei anderen großen Sehenswürdigkeiten erleben sollten, ist schon sehr gut durchdacht.

          

Die Gesteinsformationen der Regenbogenberge sind beeindruckend, verschiedene Gesteinsschichten in roter, blauer, grüner Farbe. Leider war der Himmel bewölkt, sodass die Farben auf den Bildern nicht wirklich zum Tragen kommen. Ich kann derzeit auch nur einzelne Handybilder hochladen, weil das Internet nicht mehr zulässt.

Zurück aus den Bergen haben wir die Stadt Zhangye erkundet. Sie ist gar nicht touristisch und wir sehen so das chinesische Alltagsleben. In einem Lokal erleben wir ein Essen, Gemüse und Fleisch und eine würzige Sauce, dass am Tisch, in den eine  Induktionsplatte eingelassen ist,  in einem Topf gart. Und das alles ohne ein Wort zu verstehen und mit einer schlechten Handyübersetzung. Es hat sehr lecker geschmeckt, war nur, wie oft, für uns beide viel zu viel.

                      

Die Stadt ansich hat keine besonderen Highlights, ach so ja, ein großer liegender Buddha, der aber mit seiner ganzen Tempelanlage uns sehr lieblos vorkam. Wenn es keine richtig große Touristenattraktion ist, scheinen Tempel hier eher ein belangloses Dasein zu fristen, zumal es ja auch keine Mönche mehr gibt, die sich darum kümmern.

     Birgit hatte beschlossen hier ihren mitgebrachten Mundschutz aufzuziehen, ja weil, das muss ich auch gestehen, die Luft schon ganz schön dicke und auch voller Staub war!

            Hier noch ein paar Eindrücke aus dem Stadtmittelpunkt, man sieht, dass es grau und diesig war.

 

 

Zugfahrt nach X’iang – Birgit treffen und gemeinsam weiterreisen

Am 24. März bin ich von Kunming mit dem Zug weiter nach X’iang gereist. Es war mein erstes Zugerlebnis und ganz schön spannend. Der Zug war für 19:40 Uhr von mir per Internet gebucht. Ich hatte eine E-Ticket Bestätigung, die ich im Bahnhof in ein Ticket umwandeln sollte. Zum Glück habe ich noch am Tag zuvor mir eine Nachricht in chinesischen Zeichen heruntergeladen, die besagte, dass ich ein Ticket brauche und meine E-Ticketnummer enthielt. Das war richtig gut. Im Bahnhof angekommen muss man als erstes durch eine Sicherheitskontrolle, wie bei uns am Flughafen. Dann stand ich vor einer Reihe von Automaten, die nur chinesisch hergaben. Ich sprach einen jungen Mann an, der zwar kein Englisch verstand, aber gewillt war mir zu helfen. Ihm zeigte ich mein Handybild. Er brachte mich zu einem Bahnmensch, der auch nur was mit meinem Handybild anfangen konnte. Er wies mir den Weg in eine Hall in der Ticketschalter, mit langen Schlangen davor, waren. Ich stellte mich an. Vor mir die Chinesen machten lange Palaver und die Uhr zeigte schon 19 Uhr. Als ich endlich beim Schaltermenschen angekommen war, ihm mein Handy gezeigt hatte, machte er mir klar, dass ich in der falschen Reihe stand und zum Schalter 2 gehen musste. Mir wurde heiß und kalt zugleich, weil ich befürchtete dort wieder in einer Schlange zu stehen und die Uhr zeigte schon 19:10 Uhr. Meine Befürchtung war zum Glück umsonst, am Schalter 2 war keine Schlange, aber auch hier war ich noch verkehrt, Schalter 1 war richtig. Dort half wieder mein Handy und die Frau druckte mir ein Ticket aus. Jetzt hieß es zügig durch die nächste Kontrolle, Ticket und Pass, zu gehen, um dann über die Rolltreppe in die Abfahrtshalle zu gelangen. Hier muss man nun das richtige Gate finden, von dem aus es dann auf den Bahnsteig geht. Ich sprach immer wieder Menschen an, zeigt Ihnen mein Ticket und beim dritten Versuch, es war mittlerweile 19:33 Uhr , zeigt mir eine junge Frau das richtige Gate. Der Eingang war schon offen, über eine Rolltreppe gelangte ich auf den Bahnsteig, fand auch den Wagen 2, an dem mich die Aufpasserin für den Softsleeperwagen empfing und zu meinem Abteil und Bett geleitete. Es war 19:38 Uhr als ich mich aufatmend auf meinen Platz fallen lies und der Adrenalinspiegel mich zu einem glücklichen Puhhhhhh und Danke veranlasste. Ich hatte meine Feuerprobe Zugreise in China bestanden und wusste jetzt wie es funktioniert.

  Das war mein Softsleeperabteil, was ich im Laufe meiner Reise mit etlichen Männern teilte. Da war leider nicht viel Kommunikation möglich, keiner sprach nur annähernd englisch. Verständigung mit Händen und Lächeln gab es nur, wenn ich ihnen meinen Ladestecker fürs Handy lieh, weil deren meist bei der Steckdose nicht funktionierte. Hier konnte ich punkten!!

Okay 36 Stunden Zugfahrt geht auch rum, zwei Nächte mit viel Geratter und wenig Schlaf. Angekommen in X’iang 6:30 Uhr stand, wie verabredet,  am Bahnhofsausgang ein Mann mit einem Schild mit meinem Namen darauf. Er brachte mich mit dem Auto zu meinem Hotel, was mitten in der Stadt lag. Ausgiebig frisch machen, erste Orientierung draußen drum herum und dann warten, denn so gegen 14 Uhr sollte Birgit ankommen. So war es auch, pünktlich kam sie strahlend aber müde zur Hoteltür herein. Ab jetzt begann unsere gemeinsame Reise und unser gemeinsames Bemühen uns verständlich zu machen. Nach einem Abendessen in einem modernen Lokal, indem alles frisch, von Köchen denen man zuschauen konnte, zubereitet wurde. Die verschiedenen Kellnerinnen waren sehr um uns bemüht und gleichzeitig amüsiert, weil wir überall rätseln mussten.

Ich hatte mir zwar extra eine App aufs Handy geladen, die meine Gesprochenes ins Chinesische übersetzt. Was ich nicht bedacht hatte, dass das nur mit Internet funktioniert und ich zwar im Hotel WLAN habe, aber sonst eben nicht. Für die Zukunft habe ich mir wichtige Sachen aufgesprochen, die dann auch offline zu lesen und auch zu hören sind.

Am nächsten Tag wurden wir gleich nach dem Frühstück abgeholt und mit einem PKW zu der Terrakottaarmee, zu dem ganzen Museumskomplex, gefahren. Was waren wir froh, als und klar wurde, dass wir zwar ganz außerhalb der Reisesaison sind, dafür aber die Massen der Besucher vielleicht eher bei 10 000 lagen, als vielleicht 1000 000, wie das ganze drumherum vermuten lässt.

        

Es ist beeindruckend, kein Gesicht und kein Mann gleicht dem anderen, eine künstlerische Hochleistung. Aber auch die Ausgrabung und Wiederherstellung ist eine große Leistung und wie man sehen kann noch lange nicht abgeschlossen.

Zurück in X’iang begaben wir uns zur Stadtmauer, von der wir gelesen hatten, dass sie 14 km um die Altstadt geht und dass man sie mit dem Fahrrad befahren kann. Auf der Mauer angekommen fanden wir auch den ersten Fahrradverleih. Ich ging hinein und eine Frau fragte mich barsch, wie alt ich sei. Nach kurzem zögern und überlegen sagte ich sechzig. Daraufhin machte sie deutliche Zeichen und sagte no, to old. Ich protestierte, aber es half nichts. Also raus aus dem Laden und wer mich kennt, so schnell gebe ich nicht auf. Auf der anderen Turmseite war nochmals ein Verleih. Jetzt musste Birgit vor und wir hatten verabredet sie sagt vierzig. Ergebnis, sie wurde nicht gefragt und das Ticket für zwei Mountainbikes hatte sie. Es erwies sich gut, dass es Räder mit dicken breiten Reifen waren, denn die Pflasterung auf der Mauer war sehr uneben. Jetzt konnten wir in einer wunderbaren Abendstimmung die Altstadt umrunden und gleichzeitig den Blick auf die Bebauung drumherum, unglaublich viele, eigentlich nur, Hochhäuser von bis zu18 Stockwerken. Dieses Phänomen, Hochhausstädte von unglaublichem Ausmaß begegnet uns jetzt überall. Ja wo sollen auch über eine Milliarde Menschen, hier in X’iang 3,5 Mill, auch wohnen.

      

Ein kühles „Helles“ auf der Außenterrasse eines Backpackerlokals rundete den Tag erfolgreich ab

Am nächsten Tag geht es, dieses Mal mit dem Transrapid Katergorie D, 7 Std, weiter nach Zhangye auf der Seidenstraße.

Ankommen in China Kunming

Zum Grenzübergang ist noch zu sagen: bei der Gepäckkontrolle half offensichtlich mein Visa, ich würde durchgewunken. Zum Einreiseformalitäten half ein netter Grenzer. Bei der Passkontrolle wurde lange geschaut und geblättert, dann die Frage, ob das die erste Einreise in China ist. Ich bejahte es und weiter ging es zur Hygienekontrolle. Dort musste ich dann meinen Koffer öffnen und ein Grenzer wuschelte mit behandschuhten Händen durch meine Sachen und winkte weiter.

Dann kam für mich der Punkt, wo der Kulturschock begann: es war eine dreispurige Autobahn auf der es nun weiterging. Das war nach den Straßenverhältnissen von Laos und ganz besonders an der Grenze doch erstaunlich für mich. 667 km nach Kunming stand auf einem Schild und dafür sollten wir noch 12 Stunden brauchen. Naja Autobahn hieß für unseren Bus sicher nicht mehr als 60 km/Std und dann auch noch eine zweistündige Pause an einer dunklen Raststätte. Doch bevor wir diese erreichten, plötzlich ein Stau (jetzt kam ich mir fast wie Zuhause vor!!). Nach ungefähr 20 Minuten zeigte sich der Grund eine Polizeikontrolle für alle Fahrzeuge. In unseren Bus kam ein Polizist und kontrollierte die Pässe. Bei meinem Pass schien ihm etwas nicht zu gefallen und er nahm ihn mit. Als er im Bus durch war, wollte ich beim seinem Weg zurück meinen Pass wieder haben, er verneinte dies und nahm ihn mit nach draußen. Hier blätterten nun drei Polizisten und die beiden Busfahrer den Pass auf und nieder. Sie schauten etwas im Handy und riefen dann einen jungen Polizisten hinzu. Dieser schaute ebenfalls, klappte ihn zu und gab ihn dem Busfahrer in die Hand. Dieser stieg ein und reichte mir meinen Pass. Ich geb zu, das sind schon etwas sehr eigene Situationen, bei denen ich ein leichtes Gefühl des ausgeliefert seins hatte.

Um 8:15 Uhr kamen wir in Kunming am großen Busbahnhof an. Nachdem ich mich etwas gerichtet hatte, steuerte ich mit der Masse auf den Ausgang zu. Dort standen eine Reihe Taxis. Zum Glück hatte ich mit ja den Namen und die Adresse des Guesthouses, in chinesischen Schriftzeichen, auf mein Handy, aus der Booking.com com Bestätigung, fotographiert. Es dauerte drei Taxis weit, die ersten beiden winkten ab, bis endlich der dritte zustimmte und mich einsteigen lies. Puh, erste Hürde geschafft, wenn er mich jetzt auch wirklich dahin bringt wo ich hin will und der Preis stimmt. Der Taxifahrer suchte in seinem Handy nach der Adresse und reicht mir einen Zettel mit der Zahl 70. Ich stimmte zu 70 Yuang war der Preis, der auch angesagt war.

       

Lost Garden Guesthouse, mitten in der Stadt und gleich beim green lake park, nette englischsprachige Besitzer und eine Map zur Orientierung in der Stadt, was wollte ich mehr. Mein Zimmer war jetzt nicht der Renner, aber sauber und es gab warmes und kaltes Wasser zum Duschen und ehrlichen (naja irgendwann wurde es auch zuviel) Jasminduft von einem blühenden Strauch direkt vor meinem kleinen Fenster.

   Ihr seht, Kunming ist gut verkabelt, auf dem neusten Stand!!

Der green lake park war sehr schön und so voller Menschen, die tanzten, Musik machten oder nur einfach ausruhten.

     

Am Abend ließ ich mich animieren mit zu tanzen. Die als Mikel Jackson zurecht gemachte ältere Frau hatte einen riesigen Lautsprecher aufgebaut und spielte von ihrem Handy amerikanische Musik ab, zu der sie und andere Frauen tanzten – warum also nicht auch ich. Es war ein amüsantes Erlebnis mit viel Herzlichkeit zum Schluss.

Die zwei Tage in Kunming waren wunderbar um in China anzukommen. Ich verstand zwar meistens nichts, bzw. die Menschen verstanden auch mich nicht. Lächeln half immer und ich habe alles bekommen was ich wollte.

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Von Luang Prabang nach Kunming in China

Am Mittwoch morgen war es soweit. 6:00 Uhr stand das Tuktuk vor dem Guesthouse und der Fahrer, der mich schon 2013 oft zum Airport oder sonst wo hin gefahren hat, fuhr mich zur Busstation, wo um 6:30 das Boarding für den Bus nach Kunming angesagt war. Auf dem Weg durfte ich dreimal an unterschiedlichen Stellen die Mönche bei ihrem Almosengang erleben. Es hat mich auf besondere Weise berührt.

Der Bus startete pünktlich um 7 Uhr.  Ich hatte den Platz 9, der sich für mich während der Fahrt als sehr günstig erweisen sollte. Es war der Liegeplatz rechts an zweiter Stelle. Wer noch nie in einem Sleeperbus in Laos gefahren ist, kann das nicht nachvollziehen. Ich erkläre es. Es gibt rechte Seite ca 20 Plätze, in Doppelreihe übereinander. Dann gibt es die gleiche Anzahl in der Mitte und linke Busseite. Wenn man die Straßen in Laos kennt und ich habe jetzt nochmals neu die Straßen durch die Berge im Norden kennengelernt, der weiß, dass oben die meisten Schwankungen sind und in der Mitte hast du praktisch den ganzen Tag kaum Aussicht. Also, was war mein Glück, ich konnte im Sitzen nach vorne etwas rausschauen und im Liegen die vorrüberziehende Welt gut beobachten. 28 Stunden im Liegen, mit nur kurzen Pausen zum Pinkeln oder zweimal eine halbe Stunde an einer Busstation ist schon eine Herausforderung.

            

  Mein Lieblingsverkehrsschild auf der Reise. Ich weiß nicht wer, vielleicht Deutschland Laos diese Schilder verkauft oder geschenkt hat. Sie stehe überall und dauernd, doch ich habe an keiner Stelle das Gefühl gewonnen, dass sie einer lesen noch beachten will. Wer die Fahrweise der Bus- und Lkwfahrer erlebt hat, weiß, dass es offensichtlich nur sie auf der Straße gibt.

      

Ich habe mir zwischendurch in mein Reisetagebuch geschrieben: es ist nichts für Weicheier und Rückenkranke. Im Nachhinein oder schon während der Fahrt habe ich für mich festgestellt, wie gut es ist so zu reisen und nicht mit einem Hüpfer, sprich Flug, die verschiedenen Kulturen zu durchreisen. Ich habe den Unterschied von Laos und China hautnah uns spürbar erlebt. Es hat mich sehr bewegt und ich will auch beschreiben was es ausmachte. Ich kenne nun Laos schon durch meinen Aufenthalt von einem Jahr. Ich habe damals schon den chinesischen Einfluss oder die Einkäufe der Chinesen erlebt und war immer entsetzt, wie Laos zulässt, dass es buchstäblich aufgekauft wird. Das hat sich bei meinem diesjährigen Aufenthalt weiter bestätigt. Alle größeren Autohäuser oder Geschäfte haben chinesische Schriftzeichen on the top.

Bei meiner Busfahrt wurde deutlich,  je mehr ich in den Norden oder näher zu China  kam,  dass überall laotische und chinesische Schrift gleichzeitig zu sehen sind..

Es gab größere Fabriken, die offensichtlich neu gebaut waren und eindeutig, durch die große Beschriftung entlang der Fassaden, erkenntlich, chinesische Fabriken waren. Oder die neue Eisenbahntrasse, die von den Chinesen praktisch in die Landschaft gehackt wird und unaufhaltsam fortschreitet.

Das besondere Erlebnis war dann die eigentliche Grenze. Rotstaubige Straße, Lastwagen an Lastwagen, soweit das Auge reicht und der Busfahrer, der sich durchdrückt, denn er will ja seinen Reiseplan einhalten.

Jetzt musste es mal schnell gehen mit dem Beitrag, ich werde abgeholt zum Bahnhof in Kunming und wer weiß wann ich wieder so gutes Internet bekomme.

Was treibt frau in Luang Prabang

Heute gebe ich es auf Fotos hochzuladen, das Internet frisst meine ganze Geduld. Also der Beitrag ohne viel Fotos und fertig.

Die Halbzeit meines Laos Aufenthaltes ist schon überschritten und das Ticket für die Busfahrt nach Kumning in China  am 21.3. ist gebucht.

Mit Monica erlebe ich Luang Prabang und viele Menschen nochmals neu. Das wunderschöne Jumbo Guesthouse liegt etwas außerhalb, 20 Minuten mit dem Fahrrad am Mekong entlang.

     

Das Guesthouse hat 3 Zimmer, einen offenen Aufenthaltsbereich und eine herrliche Terrasse zum Mekong. Die Sonnenuntergängen sind legendär und ich verpasste keinen. Pünktlich um 17:40 rötet sich die Sonne und versinkt 30 Minuten später, meist als roter Feuerball im tiefen Einschnitt zwischen zwei Bergen.

Immer wieder beeindruckend sind die Märkte in Laos, sei es nun der legendäre Morgenmarkt in der Stadt oder die vielen Märkte in jedem Stadtteil oder kleinen Dorf. Alle frischen Lebensmittel werden praktisch nur auf den Märkten gehandelt. In den vielen Geschäften die entlang der Straße tausendfach zu finden sind bekommt man eingepackte und feste Ware, unverpackt allemal nur die verschiedenen Sorten Reis, die ja auch in großen Mengen benötigt werden. Für Laos typisch ist der Sticky- oder Klebereis der zu kleinen Bällchen in der Hand gerollt zur Aufnahmen des übrigen Essens dient. Sitckyreis wird über Nacht eingeweicht und dann über Dampf in speziellen Bastkörben gegart. Ich liebe Stickyreis, wenn er in den kleinen Bastbehältern zum Essen gereicht wird.

Am Sonntag waren wir mit einigen Falang Frauen (so werden Ausländer in Laos genannt) eingeladen das Potterydorf auf der anderen Mekongseite zu besuchen. Mit einem Boot von Adele fuhren wir 30 Minuten flussabwärts. Das Potterydorf wird selten von Touristen besucht. Eine junge laotische Familie, er hat hier eingeheiratet und Tourismus studiert versucht nun das Dorf sein Angebot zu vermarkten. Neben einer Schauwerkstatt bieten sie eine original laotisches Menü an. Es gab Laab aus Fisch, Papayasalat, Nudelsuppe mit Ei und die frittierten Flussalgenblätter mit Sesam, sehr lecker. Alles wurde auf Bambusschalen serviert und wir aßen von Bambusschalen mit Bambuslöffeln.  Am frühen Nachmittag ging es dann mit einem kleinen schmale Boot der Einheimischen, bei dem man flach über dem Wasser hintereinander sitzt, zurück nach Luang Prabang.

Hier noch ein paar Gegebenheiten, die das Alltagsleben hier anschaulich machen.

Reifenwechsel nach einem Plattfuß an Monicas rotem Autochen.

        

Besuch in Suan Maak das Guesthouse in dem ich vor drei Jahren wohnte. Freudig begrüßt haben mich Poen, Butah und Sen, die dort immer noch für das Wohl der Gäste sorgen.

Wie bleibt frau fit unterwegs ist ja auch ein Thema. Naja da gehe ich doch mal mir Monica in die Muckibude zum Gewichtheben. Der Muskelkater hielt sich in Grenzen, immerhin hatte ich in Wetzlar extra einige Stunden im FitnessStudio beim TV verbracht.