Über Turpan nach Kashgar

Von Dunhuang ging es auf gleichem Weg wieder zum Bahnhof Liuhuan. Hier Schweitzer Messer 2. Teil: Wieder an der Sicherheitskontrolle fragte die Sicherheitsfrau ob ich ein Messer im Koffer hätte. Ich bejahe und muss das Messer aus dem Koffer, zum Glück habe ich es in der oberen Außentasche, holen und der Frau übergeben. Ich protestiere wieder und höre als erstes „wir haben hier Regeln.“ Dann wird erneut ein Polizist hinzugezogen. Inzwischen hat Birgit, die vor mir durch war, nebenbei sie hatte das zweite Messer (eine einfachere Ausgabe) von mir im Koffer, aus ihrem Rucksack die Äpfel ausgepackt und hat gestikuliert, dass wir das Messer nur zum Äpfelschälen brauchen. Die Sicherheitsleute und der Polizist berieten hin und her, dann nickt der Polizist und gabt mir das Messer mit der Bemerkung auf gebrochenem Englisch, dass ich das Messer zurück in den Koffer tun soll und im Zug nicht benutzen darf. Ich muss mich dann noch mit den Daten Name und Passportnumber in eine Liste eintragen. Okay, das war jetzt eine neue Variante.

In knapp drei Stunden waren wir in Turpan, Hauptstadt des Districts, quirlige urigurische Stadt mit 255 000 Einwohner, also eine absolute Kleinstadt. Im Zug wurden wir wieder, als einzige nochmals von einem Polizisten kontrolliert. Er machte, wie sein Kollege im Zug zuvor auch, ein Handybild von unseren Pässen und den Visa und dann noch ein Foto von uns. Wir fragten uns immer, was sie wohl damit machen. Wir wurden vom Zug abgeholt, es gibt erneut Passkontrolle beim Ausgang und hier wieder Handyfotos. Turpan ist eine typische Oasenstadt und erinnerte uns sehr an marokkanische Städte, Lehmhäuser und entsprechend verzierte Fenster und Türen.

  Der Hof unseres Hotels.   

An diesem Abend finden wir in Richtung Stadt nicht wirklich etwas und entscheiden uns dann im Restaurant neben unserem Hotel, bei dem es auch am nächsten Tag unser Frühstück gab, die üblichen Nudeln mit Gemüse zu essen. Kaltes Bier bekamen wir im Laden nebenan, oh Wunder.

Mit unserer Guide, eine Chinesin, die leider schlecht Englisch (breites chinesisch-englisch) sprach, erkundeten wir an diesem Tag die Gao Chang Ruins, eine alte in Bruchstücken erhaltene Ruinenstadt, 141 Jahre vor unserer Zeitrechnung begründet. In Turpan und bei all unseren Besuchen erlebten wir ein kaum fassbares Kontrollsystem der Polizei. In jedem Museum oder bei jeder Sehenswürdigkeit lief unser Rucksack durch eine Sicherheitsmaschine und wir mussten die Pässe zeigen. Bei Einfahrt in eine Region der Bergdörfer, Sicherheitskontrolle für alle Fahrzeuge. Unser Guide erklärte uns, es habe vor einigen Jahren terroristische Aktivitäten gegeben oder Diebstähle in der Nacht und jetzt würden sie sich sicherer fühlen. Ich glaube es hat etwas mit der Region der Uiguren zu tun. Der Bevölkerung wird vermittelt, wir kontrollieren alles und sie nehmen es stoisch hin. Die Steigerung werden wir dann in Kashgar erleben, allerdings werden wir dort als Touristen weitgehend verschont.

An diesem Tag besuchten wir noch das Dorf Tuygugon. Dort leben uigurische Bauern in Lehmhäuseren. Sie bauen Wein an, stellen aber keinen Wein her, sondern produzieren verschiedenen Sorten von Rosinen, die man dann überall kaufen kann. Zum Lunch überreden wir Guide und Fahrer, dass wir local essen wollen. So gesagt hielt der Fahrer in einem Dorf an. Als erstes sahen wir, wie die Männer dort offen an der Straße, in gemauerten Öfen, Fladenbrot backen.

 

Das werden wir auch später in Kashgar überall sehen. Dann setzten wir uns an der Straße in ein Lokal, wo Frauen in großen Woks Gerichte frisch zubereiten, fride nudels.

            

Das Gräberfeld Astana, unser nächster Halt,  bei dem auch zwei Mumien ausgestellt sind, diente der Bevölkerung von Gao Chang als Begräbnisstätte.

Die Flammenden Berge, eine Attraktion von Turpan, eine 90 km lange und bis 1800 m hohe Gebirgskette, die aus rötlichem und orangefarbenem Sandstein besteht, sehen wir leider nur im Dunst und keine „Flammen“, die sonst die Abensonne erzeugt.

Am nächsten Tag, es ist schon morgens sehr windig, dafür aber blauer Himmel uns Sonne, besuchten wir erst das Emin Minarett und dann die Ruinenstadt Jiao He. Sie ist 200 Jahre vor unserer Zeitrechnung entstanden und in weiten Teilen erstaunlich gut erhalten, die Größe und Weitläufigkeit beeindruckt uns sehr. Der Wind, eher Sturm forderte und aber auch einiges ab.

   

Nach einem leckeren Lunch in einem Lokal in der Innenstadt und dem Einkauf im Supermarkt (Verpflegung für unsere 24 stündige Zugfahrt nach Kashgar) besuchten wir noch das Museeum und die Informationen zu den Karez Wassersystemen, die noch heute Teile von Turpan mit Wasser aus den Bergen versorgen.

Um 17 Uhr brachte uns unser Team aus Fahrer und Guide zum Bahnhof in Turpan und jetzt kommt Schweitzer Messer Teil 3: In den Bahnhof Turban, jetzt nicht Schnellbahn sondern ganz normaler Zug, gab es drei aufeinander folgende Sicherheitschecks des Gepäcks. Bei der dritten Kontrolle wurden wir aufgefordert unsere Koffer zu öffnen und die Frage Messer stand erneut an. Birgit öffnete ihren Koffer und zeigte eine kleine Schere vor und sie nickten es ab. Also ich ebenso meinen Kulturbeutel aufgemacht und meine Schere für die Nägel vorgezeigt. Nein sie waren nicht zufrieden. An diesem Tag hatte ich mein Messer ganz sorgfältig in meine Wäsche eingewickelt. Ich musste also weiter auspacken und das Messer heraussuchen. Sie nahmen es mir ab und alle Erklärungen halfen nichts, kein Apfel kein …….. Die Guide, die immer noch dabei war versuchte mich zu beruhigen. Inzwischen standen wieder mehrere Sicherheitsleute um mich herum. Ich nahm das Messer dem Sicherheitsmensch ab und schenkte es demonstrativ der Guide. Damit waren sie zufrieden und ich konnte wieder einpacken. So ist mein gutes Schweitzer Messer mit seinem vielen Zubehör an eine chinesische Frau übergegangen, quasi bei der letzten Zugkontrolle, denn das war ja auch unsere letzte Zugfahrt nach Kashgar. Wie sage ich immer: man muss auch mal verlieren können!! Immerhin hatten wir ja für alle Fälle noch das zweite Messer!!

Die Nacht- und Tagfahrt im Hardsleeperabteil war ein besonderes Erlebnis. Sechs Betten übereinander, keine Tür davor und so der ganze Wagon. Alles weitere, wie z.B. Sanitäranlagen erspare ich euch. Wir haben es durchgestanden und sind am nächsten Tag um 18 Uhr in Kashgar müde, „schmutzig“ aber wohlgemut angekommen.

          

 

 

2 Gedanken zu „Über Turpan nach Kashgar

  1. Agnes Thorn

    Liebe Gila, endlich habe ich es geschafft euch auf eurer Reise wieder mal zu begleiten . DAs ist ja total spannend was ihr so erlebt. Da ist Indien ja ein Kinderspiel dagegen .
    Ich versuche mal jetzt etwas dichter bei euch zu bleiben. Gute Reise euch beiden . Dicke Umarmung
    Agnes

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  2. Ruth

    Liebe Schwester,
    bin bei Euch. Was Du beschreibst sehe ich lebhaft vor mir. Wie schneiden Chinesen ihre Äpfel? Wird einer nie mulmig bei den Kontrollen?
    Deine Bilder sind klein aber informativ. Nur kannst Du drauf achten, wie Du Dein Hany hälst beim Fotographieren? Viele Bilder liegen auf der Seite und dann kann man wirklich wenig erkennen.
    bei uns heute Regen mit Gewitter. April! aber die letzen Tage herrliches Frühlingswetter, ziemlich warm.
    Ich habe herrlich viel Zeit für den Garten.
    Umarmung und herzliche Grüße an Birgit
    Ruth

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